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rockinxxl Offline




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07.11.2009 15:51
Legendary Blues Cruise Zitat · antworten

vom 17. bis 24.Oktober haben meine Frau und ich an der Legendary Blues Cruise im Pazific teilgenommen.
1270 Bluesfans aus den USA,Kanada,Norwegen,Russland und...Deutschland hatten nur eines im Sinn: Bluesmusik und Party.
wenn sich 1270 Bluesverrückte auf einem Kreuzfahrtschiff treffen und alle nur wegen der einen Sache dort sind dann ist es praktisch wie ein Familien treffen.
Die Veendam ist ein modernes Kreuzfahtschiff der Holland-Amerika Linie. Die Besatzung besteht aus Niederländern, Amerikanern und Deutschen in den Funktionen und ausschliesslich aus Balinesen die das Catering besorgen und dieses mit einer ausgesprochenen Freundlichkeit.
Da das Schiff 357 Tage im Jahr zwischen Alaska und Mexiko verkehrt und ausschließlich die "Normalen" Kreuzfahrtgäste beherbergt, freuen sich alle auf diese 1 Woche im Oktober wenn die BLUESER an Bord kommen. Für die Besatzung bedeutet das: kein Uniformzwang, wer Frei hat darf auch Feiern gehen und es gibt keine Klagen übers Essen oder sonst irgendwelche Beschwerden, alle sind gut drauf und easy going...Blueser eben.
In den Gängen und auf dem Achterdeck roch man fast immer das einige dem Genuss eines Joinst frönten. "Schade das es keine Geruchs-Kamera gibt" meinte meine Frau denn dann kann zu Hause jeder in vollen zügen die reise genießen.
Vom 1. Moment des Ablegens in San Diego bis zum Anlegen eine Woche später ist Party angesagt.
Wir hatten eine Kabine mit Veranda so das wir auch dort einmal ungestört in der Sonne liegen konnten und rauchen durften.
Das Essen war Spitzenklasse, der Chefkoch ein Deutscher aus Wuppertal, der 2.Chefkoch ein Inder. Man konnte, wenn einem danach war, rund um die Uhr etwas zu Essen bekommen...eine Küche war immer geöffnet, eine Bar auch.
Trotz des sehr verlockenden Angebots habe ich in einer Woche 2 Kilo abgenommen, jeden morgen 1/2 Sport und das gute Essen waren die Ursache.
Beim morgentlichen Sport, und sei es nur baden im Pool, konnte man fast ausschließlich Musiker antreffen oder junges Bluesvolk.
Das war dann auch eine Gelegenheit sich in aller Ruhe mit seinem Bluesmusiker zu unterhalten.
Es gab durchaus auch andere Gelegenheiten, denn die Musiker haben im Durchschnitt nur alle 2 Tage einen Gig, sich mit ihnen zu unterhalten. Alle auf einem Boot bedeutet auch das sie beim Frühstück oder Abendessen neben dir sitzen oder an der Bar zu finden sind oder neben dir in der Sonne liegen und die Musik und das Wetter genießen. Ich habe die Erfahrung gemacht das sie einfach darauf warten angesprochen zu werden um ihre Geschichte zu erzählen oder ganz einfach nur zu plaudern und Spass haben wollen. Einige sind aber auch sehr gesprächig.
Lonnie Brooks, Lil Buck Senegal, Leon Blue, Michael Burks und Ronnie Baker Brooks waren überall zu finden und immer bereit Geschichten zu erzählen. Es sprach sich schnell herum das wir 1. aus Deutschland kommen und 2. das ich Radio mache was dazu führte das sich die Gespächsbereitschaft noch einmal um einiges erhöhte.
Lonnie Brooks (74) erzählte mir von einer Tour 1981 die ihn u.a. auch nach Hamburg führte. Er erinnerte sich das ein Rainer Baumann (Hamburg Blues Band) ihn begleitete und er war dabei als auf dem Hamburger Dom ein Unfall geschah. Nach seiner Scheidung hatte er darüber nachgedacht Deutshland als Zufluchtsort zu wählen. Ich sagte ihm das er herzlich willkommen sei und ich noch nicht wusste das unser Land ein Paradies für Geschiedene sei.
Lil Buck Senegal wusste über einen Vorfall zu berichten der sich Anfang der 70ger in Frankfurt ereignet hatte. Einer der Musiker lag morgens Tod in seinem Bett. Man hatte vergeblich auf ihn gewartet und als er auf's klopfen nicht reagierte, wurde auf amerikanische Weise die Tür eingetreten. Der Pensionswirt rief daraufhin die Polizei herbei und die nahm erst einmal alle 3 verbliebenen Musiker in Gewahrsam. Lil Buck, damals 20 Jahre jung, war sehr erschrocken, dachte er doch das man ihn wegen des Toten verhaftet habe (die Polizisten waren des Englisch nicht mächtig) und so wanderten sie erst einmal auf die Polizeiwache.....tbc
Leon Blue erzählte mir das ihn Muddy Waters einmal anrief weil Otis Spann seinen Flug verpasst hatte, Muddy benötigte dringend einen Pianisten für den Gig am Abend. Also rief er den Ortsansässigen Leon Blue an. Der sprang naürlich gern in diese Lücke. Nachdem das Konzert begonnen hatte tauchte dann auch Otis Spann auf. Otis wollte den Platz am Piano einnehmen und Muddy beschied ihm:" we don't need an Otis Spann II".
Das war natürlich Musik in den Ohren von Leon Blue.
Und dann gab es noch eine nicht Jugendfreie Geschichte aus Hamburg, es handelt sich dabei um Damenbekanntschaften, das Ende der Geschichte sei hier erzählt: Say called me: Schwarzer Teufel. Er wusste tatsächlich noch die deutschen Worte für "Black Devil".

Am Cabo St.Luca (Mexiko) sollten wir eigentlich an Land gehen aber ein aufziehender Hurricane verhinderte das aus-bzw. einschiffen von 1270 Menschen. Nur Rod Piazza und Ehefrau Honey wurden an Bord geholt da sie die Abfahrt in San Diego verpasst hatten.
Das Blues-Schiff fuhr wieder gen Norden um den Ausläufern des Hurricanes zu entgehen... auch gut.
Zwei Tage darauf mussten wir dann doch in Ensenade anlegen, wegen des entgangenen Anlegens am Cabo St.Luca und einem aneren Ort, war das Bier zur Neige gegangen. Es gab nur noch Biersorten die nicht besonders, beim überwiegend amerikanischem Publikum, beliebt waren (Guiness, Miller Genuine,Amstel,Bud-Light). Also anlegen in Ensenada. Wenige sind von Bord gegangen, darunter einige Musiker und wir....Beine vertreten halt oder mal wieder festen Boden unter den Füßen verspüren wie meine Frau sagte.
In die Stadt war es nicht weit, 10 Minuten gehen und man war im Zentrum. Hier wartete man schon auf uns (ein anders Kreuzfahrtschiff hatte 1 Std. vor uns angelegt).Das Angebot bestand zu größten Teil aus Andenken und sonstigem Tand wie Gesichtsmasken (Halloween) und ECHTER Gold-bzw. Silberschmuck. In einem sehr netten Restaurant/Bar das auf dem Rückweg lag traf man sich dann. Nach und nach trudelten einige Landgänger ein, darunter auch Susan Tedeschi, Chandra Calloway (Sängerin), Janice Brooks (Tochter von Lonnie Brooks), Olivier Scoazec (Gitarrist bei Buckwheat Zydeco, Kenny Wayne Shepherd sein Bassist Scott Nelson sowie einige andere. Ein befreundetes Ehepaar aus L.A., Marlene und Mickey, und wir mitten drin und voll dabei. Die Margaritas waren hier nicht nur besonders köstlich sondern auch besonders Groß und sehr günstig.
Nachdem wir uns alle an den Margaritas erfreut hatten kam eine sehr lustige Stimmung auf und als dann noch die ersten Mariachi Bands uns mit ihren Vorträgen beglücken wollte kam was kommen mußte: die anwesenden Musiker mußten einfach mit singen und spielen.
Die konsumierten Margaritas verhalfen so manchem zu wahrlichen Stimmwundern, mich eingeschlossen.
bei den örtlichen Mariachi Bands hatte es sich wohl herum gesprochen das es dort Geld zu verdienen gab und so kam dann beinahe alles was eine Gitarre halbwegs spielen konnten zu diesem Restaurant um uns mit ihren Vorträgen zu beglücken.
Wir waren streng, erst einmal mussten sie Lieder wie: Smoke on the water, Born to be wild oder Sweet home Alabama zu mindest im Ansatz beherrschen. Dann durften sie auch ihr Liedgut vortragen (Guantanamera habe ich noch nie in so vielen verschiedenen Versionen gehört).
Die Dollars war leicht verdient weil meistens schon nach einem Lied die nächste Band bereit stand.
Meine Filmaufnahmen erlangten den Status einer gewissen Berüchtigkeit (später auf dem Schiff) und so manche Aufnahme verschwindet besser für immer in's Archiv (Kenny Wayne Shepherd wird sich dafür bedanken).
Die Reise ging dem Ende entgegen. Awards wurden verteilt (ist wohl üblich in den USA)
der "I Ain't drunk" award ging an denjenigen mit der höchsten Bar-Rechnung (1500$)
der "John the Conqueror" bzw. "Hoochie Mama" Award gingen an den Mann bzw. Frau mit den meisten Aktivitäten. Was wohl auch mit Sex zu tun hatte. Die Frage nach der Kabinen Nummer der Award winning woman blieb unbeantwortet.
Wer hatte die längste Anreise, wir waren ganz dicht dran diesen Award zu gewinnen aber es war noch ein Ehepaar aus Leningrad anwesend.
Die Beste Performance gewann: Die Brooks Family Band
Die Überraschungs Band gewann: Cafe R&B, die längste Jam Session ging an Shane Dwight (Mitternacht bis 5 Uhr morgens) die meisten Jam sessions besuchte Susan Tedeschi.
Ein sehr junger Mann sei hier noch erwähnt.Er spielte einmal kurz Mundharmonika in der Piano Bar, Leon Blue hatte ihn dazu eingeladen. Kyle Rowland heißt er, ist 16 Jahre jung und war auf eigene Kosten mit seinem Vater an Bord. Der Junge kann was, es gab einige Gelegenheiten bei denen er sein können unter Beweis stellen konnte. Es hatte sich herum gesprochen das dieser Bluesjüngling schon ganz gut die Bluesharp blasen kann. Er wurde dann von der Legende Buckwheat (Zydeco) auf die Bühne geladen und bekam die Chance sein können vor einem großen Publikum zu zeigen. Es gelang ihm. Das Bluesvolk war begeistert und gestattete diesem Jungtalent auch weiterhin auf die Bühne zu springen (manchmal in einem Bart Simpson T-Shirt) um dort seine Harp zu spielen. Ich habe ihn später interviewed und Papa Curtis Rowland gab mir seine CD mit auf den Weg nach Deutschland.
Für mich gab es zwei musikalische Top Ereignisse.
Angekündigt war die Brooks Brothers Band (Wayne und Ronnie Baker Brooks & Jeremia Johnson (Jellybean Brooks) doch es kam ganz anders. Papa Lonnie Brooks war auch an Bord und so wurde aus der Ankündigung die "Brooks Family Band" mit Lonnie Brooks als Höhepunkt. Ich kann nur sagen, sehr sehr beeindruckend diese Familie. Alle haben das Talent ihres Vaters geerbt und die ganze Familie dann auf der Bühne zu sehen (hören) ist etwas ganz besonderes. Zum ersten mal überhaupt also Weltpremiere auf dieser Cruise.
Das zweite musikalische highlight ist die Band Cafe R&B aus Los Angeles.
Am 1. Abend sind wir nur durch Zufall in den großen Showroom im Bug des Schiffes gelangt. Meine Frau wollte mal sehen was dort los ist.
Wie so viele Anwesende waren wir sehr überrascht. Der Saal war nur zu einem drittel gefüllt und alle hat es praktisch von den Socken gehauen als sie erlebten was dort auf der Bühne geschah. Roach, die Sängerin, war nach den ersten beiden Songs, die anscheinend dazu dienten sie in Fahrt zu bringen, nicht mehr wieder zu erkennen. Sie geriet außer Rand und Band. Ihre Stimme klingt wie Aretha Franklin gemischt mit Etta James dazu einen Schuß Tina Turner und einen touch Janis Joplin.
Es hielt uns nicht lange auf den bequemen Sesseln, mit offenenm Mund stand ich vor der Bühne, vergaß die Kamera ein zu schalten (jammer).
Cafe R&B spielen fast nur Cover Versionen aber wie!! Ich kann es nicht mit Worten beschreiben, man muss es hören und sehen. Auf meiner ist hier nicht erlaubt Seite (http://www.ist hier nicht erlaubt.com/user/DJrockinXXL) könnt ihr sie sehen und hören.
Nach diesem ersten Auftritt hat es sich wie ein Lauffeuer auf dem Schiff herum gesprochen was dort zu sehen war. Die weiteren Auftritte waren dann praktisch Ausverkauft, alle an Deck.
Jetzt habe ich dann auch nicht vergessen auf den Auslöser meiner Kamera zu drücken, gut so!
Roach und ihr Ehemann Byl Caruthers, der auch die Gitarre spielt, würden nur zu gerne auch mal in Deutschland auftreten. Frankreich und Spanien haben sie schon bereisen können. Also, wenn ein Veranstalter diese Zeilen liest, sofort Kontakt aufnehmen mit Cafe R&B (http://www.caferandb.com)
Übrigens, Familie Caruthers (ihren 8 jährigen Sohn hatten sie auch dabei) saß einige male im Restaurant neben uns, wir haben uns prächtig verstanden und Roach war privat sehr schüchtern. Wie das geht habe ich sie gefragt, Antwort: Sobald sie die Musik verspürt überkommt sie ein unbändiger Drang diese Musik nicht nur durch ihre Stimme sondern auch sonst körperlich aus zu drücken. Das kann man wohl sagen!
Wer noch mehr erfahren will über diese Reise, ich schreibe gerade an einem Tagebuch und werde es dann hier veröffentlichen und in meinen Radiosendungen erzähle ich die ein oder andere Geschichte. Begeleitmusik habe ich reichlich mitgebracht von meiner USA Reise auch auf dem Schiff gab es einen Shop. In Los Angeles war ich im größten CD-Laden der Welt (amoeba) nicht zu glauben was die alles im Angebot haben. Die Blues-Abteilung ist so groß wie bei uns in Deutschland das Gesamtangebot eines M..Marktes.
einige Fotos der reise findet ihr unten.
Hier noch die 10 Legendary Blues Regeln:
1. once a Blues Cruiser, always a Blues Cruiser
2.Your backstage pass is in hand
3.Dance like nobody's watching
4.A Tequila Sunrise is not just a drink
5.What happens on the ship stays on the ship
6.if this Cabin's rockin, don't come knockin'
7.Ain't no Family like a Bluesin' Family
8.sleep when you get home
9."Lick it before you stick it" (Denise LaSalle)
10.bring your Virgin Friends & have a friend for Life!

gruss 'n Blues
Bernd

the blues is alright and don't forget to boogie

Angefügte Bilder:
MS Veendam.JPG   Lonnie Broos and me.JPG   Lonnie, me & Coco Montoya.JPG   Michael Burks & Coco.JPG   Michael Burks, me & Preston Shennon.JPG   junge Blueslady und Olivier (Gitarre).JPG   Veendam in Mexiko.JPG   Blues Cruise.JPG   Cafe R&B.JPG   Honey & Rod Piazza.JPG   Wayne-Lonnie-Ronnie Brooks.JPG   Shane Dwight.JPG   Ronnie, me, Jellybean,Lonnie & Bobby (Cafe R&B).JPG   Buckwheat, me & Lil Buck.JPG  
 Sprung  


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