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Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 487 mal aufgerufen
 Technik / Equipment / Instrumente
Markus Offline




Beiträge: 638
Punkte: 642

10.12.2009 12:59
Gibson macht es jetzt digital Zitat · Antworten

Hi, folks,

hier ein interessanter Artikel aus SPIEGEL ONLINE von heute. Viel Spaß beim Lesen und drüber Nachdenken,
wünscht Markus


Gibson Dusk Tiger

Rock'n Roll für Programmierer

Sie sei "die fortschrittlichste Gitarre der Welt", tönt Hersteller Gibson über die Dusk Tiger. Angesichts programmierbarer Elektronik und selbststimmender Saiten mag man das glauben. Doch im Kern erzeugt sie ihren Sound ganz altmodisch analog - und das hat seinen Preis.
Diese Gitarre ist anders als die anderen, das erkennt man selbst als Laie auf den ersten Blick. Auf ihrer Elektronikabdeckung, dem Pickguard, prangt ein Knopf, der irgendwie anders ist. In seiner Mitte leuchtet eine winzige blaue Digitalanzeige, in den Rand des Knopfes sind rot schimmernde Buchstaben eingelassen. Dieser eine Knopf, der Master Control Knob (MCK), ist das wichtigste Bedienelement des Musikinstruments, er steuert die digitale Elektronik. Die anderen drei Drehregler sind dieselben, die man auch von anderen E-Gitarren kennt, regeln Ton und Lautstärke. Gibson bezeichnet das als Hightech-Interface, realistisch betrachtet werden damit aber auch Lowtech-Gitarristen klarkommen.
Die digital aufgemotzen Klangvarianten der Dusk Tiger kann man aber erst ausnutzen, wenn man sich in das Handbuch des sechssaitigen Instruments vertieft hat. Wie schon die Robot Guitar ist auch bei dem neuen Modell eine Stimmautomatik des Hamburger Unternehmens Tronical eingebaut. Das nimmt Gitarristen die Arbeit ab, die Gitarre selbst zu stimmen. Stattdessen wählt man per MCK-Drehknopf eine Stimmung aus, schlägt die Saiten an, lauscht einige Sekunden lang den Elektromotoren der Stimmmechaniken. Sobald auf dem MCK die Symbole aller sechs Saiten grün aufleuchten ist der Vorgang abgeschlossen und man kann losspielen.
Die andere Hightech-Funktion ist der integrierte Multiband-Equalizer. Der ist im Prinzip eine besonders flexibel einstellbare Klangregelung. An der Gitarre selbst kann man deren Möglichkeiten freilich nicht voll ausnutzen, sondern muss unterschiedliche Klangfarben per Software am Computer einstellen. Derart zusammengestellte Voreinstellungen lassen sich dann an der Gitarre abrufen, in Maßen variieren. Zusätzlich lassen sich in der Gitarrensoftware Einstellungen für die Tonabnehmer vornehmen, die ebenfalls den Sound beeinflussen.
Ein bisschen Akustik
Denn im Unterschied zu manch anderer Hightech-Gitarre ist die Grundlage der Klangerzeugung bei der Dusk Tiger noch vollkommen analog: Die Schwingungen der Seiten werden von zwei magnetischen Tonabnehmern in elektrische Tonsignale umgewandelt, die dann von einer Elektronik geformt werden können. Zusätzlich ist unter dem Steg, also da, wo die Saiten auf dem Korpus gespannt werden, ein keramischer Piezotonabnehmer eingebaut. Der nimmt nicht etwa die Schwingungen der Saiten, sondern die des Holzkorpus auf. So lassen sich dem Sound feine akustische Nuancen hinzufügen.
Doch so etwas gibt es bei anderen Gitarren auch. Was andere Gitarren dagegen nicht haben, ist die Möglichkeit, den Sound jeder Saite einzeln zu beeinflussen. So sollen sich im Zusammenspiel mit einem Mischpult und mehreren Verstärkern oder einem Computer, der solche Verstärker virtuell nachbildet, völlig neue, ungewohnte Gitarrensounds kreieren lassen. Das ist die Spielwiese für Soundbastler.
Nicht edel, aber teuer
Das Design der neuen Gitarre dagegen dürfte zum Zankapfel werden. Traditionalisten, die den Look von Gibsons Les Paul lieben, werden die Dusk Tiger hassen. Während das Original eine aufwendig herzustellende gewölbte Decke aufweist, ist der Korpus der Dusk Tiger flach wie ein Brett. Dazu kommt die Korpusdecke, die aus einem ungewöhnlich gestreiften Material hergestellt wird. Gibson bezeichnet das nur als "exotisches Hartholz", macht keine Angaben darüber, um welche Holzsorte es sich dabei tatsächlich handelt. Klar, das Holz soll einen Tiger-Look erzeugen, besonders edel kommt das aber nicht rüber.
Und das könnte potentiellen Käufern die Entscheidung schwer machen, denn billig ist die Dusk Tiger bei all der Technik, die da in dem gestreiften Holzkorpus steckt, nicht. In den USA wird ihr Listenpreis mit knapp 4200 Dollar angegeben, hierzulande soll sie fair übersetzte 3000 Euro kosten. Viele Käufer wird man für eine so ungewöhnliche und gleichzeitig teure Gitarre wohl nicht finden. Aber das weiß man auch bei Gibson. Nur insgesamt 1000 Exemplare dieses Modells sollen hergestellt werden, 350 davon kommen in Europa auf den Markt. Die Dusk Tiger ist also ein Sammlerstück, vom Start weg.

realman Offline




Beiträge: 103
Punkte: 103

11.12.2009 13:24
#2 RE: Gibson macht es jetzt digital Zitat · Antworten

Hi Markus,

danke für den Bericht, sehr interessant. Also bei Musik Schmidt gibt`s die für 2.990,00 Euronen.

Es ist doch so: immer, wenn was Neues kommt, ist " man " wohl erstaunt, entsetzt o.ä., so auch bei der Firebird 1963, Flying V 1958 usw.. Das so etwas neues natürlich polarisieren wird, ist jetzt schon klar.
Ob sich das Produkt durchsetzt entscheidet lediglich der Käufer.
Ich denke, die Puristen unter uns bleiben auf ihrer Linie, Gitarre, Amp und Pedälchen, ich Baujahr 51 werde und will das auch nicht ändern. Andere warten förmlich auf Neuerungen und das ist auch gut so.
Ich werde mir die Gitarre mal auf der Musikmesse im März genau anschauen, vielleicht kann ma ja bei Gibson auch mal was testen ( eher unwahrscheinlich, aber sag niemals nie )und mir dann ein Statement erlauben.

Gruß
Heinz

http://www.bluesunband.com

Markus Offline




Beiträge: 638
Punkte: 642

11.12.2009 15:21
#3 RE: Gibson macht es jetzt digital Zitat · Antworten

Hallo Heinz,

das sehe ich auch so. Unternehmen müssen sich ja ab und zu mit Innovatione auf den Markt wagen, denn die Innovationen von heute sind (vielleicht) die Marktrenner von morgen. Und dann gilt eben auch immer: Manch einer wird von den Innovationen total begeistert sein, ein anderer findet die einfach nur gruselig. So ist das auch mit der digitalen Technik an E-Gitarren. Für uns alte Säcke ist das wahrscheinlich nix mehr, wir wollen einfach nur Bretter mit ein paar Drähten drüber. Aber die nächste Gitarristen-Generation findet die Möglichkeiten der Digitaltechnik an der Klampfe vielleicht schon normal und unverzichtbar!
Schönen Gruß und bis demnächst mal wieder

Markus

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