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Dieses Thema hat 56 Antworten
und wurde 19.234 mal aufgerufen
 Blues - allgemeine Diskussion
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wolli Offline




Beiträge: 1.968
Punkte: 2.052

06.12.2006 16:38
stirbt der Blues ?? Zitat · Antworten

ich beobachte nun schon eine ganze Weile, dass der Blues nur noch von kleinen Randgruppen gespielt, gehört, geliebt und gelebt wird. Selten sind Blueskonzerte richtig große events, selten läuft Blues in den Medien. Es scheint so, dass die kleine? Schar der Blueser sich auf Festivals tummelt ud damit auch schon zufrieden ist. Ich will aber nicht behaupten, dass die Generation ausstirbt.. nein, meine Beobachtungen gehen dahin, dass auch viele junge Leute, egal ob als Musiker oder als Bluesfan sich mit der Musikrichtung identifizieren, oder sie zumindest mögen. Daher meine (vielleicht auch etwas provokative) Frage: stirbt der Blues

Ulliactionissuebluesband ( Gast )
Beiträge:

06.12.2006 16:44
#2 RE: stirbt der Blues ?? Zitat · Antworten

hi wolli,

ich beobachte den blues seit fast 40 jahren, und bis auf die zeit bis etwa 73 war es eigentlich immer so, dass du zwar mit blues im kleinen kreise anerkennung erfährst, aber niemals, bis auf ganz wenige ausnahmen, im mainstream landen wirst...aaaber:

wer will das schon?

herzlichst ulli
weniger ist oft mehr

Outback Bluesman ( Gast )
Beiträge:

06.12.2006 18:40
#3 RE: stirbt der Blues ?? Zitat · Antworten

Hey !

Genau die Frage ist sicher schon oft erörtert worden und trotzdem stelle auch ich sie mir immer öfters.Auch ich verfolge den Blues nun schon Jahrzente,oder verfolgt er mich ???? Na jedenfalls denke ich das zur Zeit der Blues doch eher was für "Randgruppen" ist.Bei meinen doch recht zahlreichen Konzertbesuchen stelle ich im Gegensatz zu früher doch erheblichen Besucherschwund fest,jedenfalls was die Konzerte in Deutschland betrifft.Sicher...Konzerte wie das von B.B.King haben trotz horrender Kartenpreise ihre Besucher,aber sonst ???? Walter Trout war dieses Jahr auch gut besucht,obwohl er vor Jahren doch noch größere Hallen füllte als die Bonner Harmonie.Sieht man von dieser "Oberliga"mal ab,sieht es ziemlich Düster aus.So hatten die letzten Konzerte auf denen ich zugegen war im Schnitt 40,50 oder 70 Besucher,auch Konzerte mit gerade 20 verlorenen Leutchen waren dabei,z.B.Danny Bryant,Sharrie Williams,Carlos del Junco,Gerolsteiner Bluesfestival,Vdelli,Nine Below Zero usw,usw,.Wenn sich dann auf einer Veranstaltung "Forest Rave", mitten im Wald, bei absolutem Scheißwetter, ca.1500-2000 Jugendliche versammeln,denen nichts als ein paar DJ's die Platten auflegen geboten wird,macht man sich schon so seine Gedanken.
Etwas ganz anderes stelle ich bei Konzerten in den Niederlanden/Belgien fest.Von Festivals wie Peer oder Moulin Blues in Oespel mal ganz abgesehen ,die sicher immer ihre 4-5 Tausend Besucher anziehen werden,sind auch kleinere Festivals/Konzerte gut besucht und es herrscht vor allen Dingen eine "Saugute" Stimmung.Aber auch hier, alles eine Frage der Zeit ?????? Über den kläglichen Verkauf von CD's und DVD's brauchen wir uns nicht zu unterhalten,er dürfte hinlänglich bekannt sein.Also, stirbt der Blues ????? Ich denke NEIN !!! Es hat in all den Jahren immer ein auf und ab gegeben,wie in anderen Musikrichtungen z.B. Jazz & Folk auch.Sicher,die gaaanz große Zeit ist vorbei und man wird den Blues nur noch in kleineren Clubs erleben können,ähnlich dem Jazz.Dieses Randgruppendasein hat aber auch Vorteile,wir werden es nie erleben müssen das der Blues dazu benutzt oder mißbraucht wird als Kaufhaus oder Bierzelt Stimmungsmaschine herzuhalten.Obwohl, ein wenig Popularität......

In diesem Sinne,
It's only Blues,but we like it





And don't forget to Boogie

chili Offline



Beiträge: 86
Punkte: 86

08.12.2006 12:03
#4 RE: stirbt der Blues ?? Zitat · Antworten

sterben kann er garnicht, dafür steckt zuviel in jeder Rockmusik von ihm drin. Eine andere Sache sind die Blues-Veranstaltungen, bei denen nur noch so ein Hardcore-Publikum zwischen 40 und 60 Jahren aufläuft. Dazu kommt, dass die Live-Musik-Szene insgesamt immer schlechter wird. Beispielsweise haben nicht nur Bluesbands das Problem, Gigs zu bekommen. Ich konkurriere mit meiner Hobbyband mittlerweile gegen internationale Konkurrenz, was die Lage eindeutig zeigt. Selbst die Profis mit Agentur haben Schierigkeiten, Gigs zu bekommen, spielen an jeder Milchkanne und verdrängen damit Bands wie unsere. Damit bricht die lokale Szene total weg und Frust macht sich unter den Bluesern breit, weil sie nicht auf eine Bühne kommen. Generell ist es schwierig, sich gegen ein immer zersplitteteres Freizeitangebot durchzusetzen. Die Leute haben halt die Wahl - und Blues steht nicht an oberster Stelle. Vielleicht liegt das aber auch an der teilweise verknöcherten Blues-Szene, die Experimente kaum zulässt. Da müssen sich die Blueser und ihr Publikum auch mal an die eigene Nase fassen. Wenn man junges Punlikum erreichen will, darf man nicht immer nur auf der Tradition rumreiten. Wenn mal jemand moderner spielt, andere Einflüsse zulässt wird das oft als nicht bluesig genug, elitär, kalt, ohne Gefühl usw. abgetan - hab ich schon oft genug gehört. Von jüngeren Leuten wird Blues meist als Bier/Bart/Bauch-Musik wahrgenommen, also insgesamt Scheiß-Image, ähnlich wie Dixieland-Jazz. Da müssen wir dran arbeiten, dann läuft das vielleicht auch mal wieder ein bischen besser.

Gruß
Jürgen

dr. mojo Offline




Beiträge: 1.060
Punkte: 1.068

08.12.2006 12:49
#5 RE: stirbt der Blues ?? Zitat · Antworten
Hallo,
es ist keineswegs so, dass die Auftrittsproblematik nur den Blues betrifft. Auch anderen Musikrichtungen geht es da nicht besser. Mit der Midnighttrain-Skiffle-Band machen wir eine ganz ähnliche Erfahrung. Und wenn du dir mal die Mühe machst und auf den Websites anderer Bands ein wenig stöberst, wirst du auf deren Terminseiten ganz ähnliches finden: nämlich immer weniger Auftritte.
Das liegt sicherlich nur zum Teil daran, dass einige Veranstalter anstatt Konzerte "Sessions" veranstalten. Insbesondere im Kölner Raum sind das dann häufig keine "echten" Sessions, sondern eher mehrere Kurzauftritte der verschiedensten Formationen.
Der Kneipix sponsert dann vielleicht den Organisator und evtl. einen Techniker, das ist deutlich preiswerter als eine komplette Band zu bezahlen.
Die Leute haben weniger Geld, das kriegen die Kneipen etc. auch zu spüren, Und das führt dann dazu , dass der Kneipix dann entweder nix macht, eine Session oder immer häufiger Auftritte von Klein- und Kleinstformationen.

Die kosten weniger Gage, brauchen weniger Platz und auch weniger Catering.

Ich merke dies mit meinem Duo Dr. Mojo ja hautnah. Aber auch als Duo kommen Auftritt nicht ganz von selbst. Die Auftrittsaquise ist nun mal ein anstrengendes Geschäft, ohne dass es nunmal nicht geht.
Gute Musik allein reicht da nicht, man braucht eine gute Website, gutes Pressematerial und auch eine CD. Und man muss sich immer wieder persönlich und intensiv um neue Auftritt bemühen.

Bei den Oldie- und Coverbands sieht es auf den ersten Blick vieleicht ein wenig besser aus. Wenn aber eine Lokalmatadorenband eine zweistellige Auftrittszahl hat, dann ist das auch eher die Ausnahme.



Herzliche Mojo-Grüsse aus dem Bergischen Bermuda-Dreieck von

Dr. Mojo
http://www.drmojo.de
http://www.midnighttrain.de

Outback Bluesman ( Gast )
Beiträge:

10.12.2006 15:17
#6 RE: stirbt der Blues ?? Zitat · Antworten

Hallo !

Die Probleme die Bands bei der Organisation von Auftritten haben kenne ich als "Nichtmusiker" nur oberflächlich.Aber was die Sache mit "Moderne Einflüsse im Blues" betrifft,hat Jürgen mit seinem Beitrag den Nagel auf den Kopf getroffen.Man erntet von der Jugend meißt nur ein gequältes Lächeln wenn man in Sachen Blues anfängt,und das nicht nur von Techno,Ravern,Hip-Hop und wasweißichnichfür Anhänger "Jugendlicher Musik".In die Schublade Bier/Bauch/Bart passt da, nach Meinung der Jugend ,so ziemlich alles bluesige rein.Das betrifft sowohl das Publikum als auch die Künstler selber und wenn wir mal ganz ehrlich sind....,also ich kenn (leider)genug Blueser wo diese Beschreibung genau zutrifft.Wenn das ganze dann noch gepaart ist mit einem unglaublichen Ignorantentum gegenüber anderen Musikrichtungen und alles was ausserhalb der "12-Takte" liegt als Kaufhaus-Hintergrund-Gedudel abgetan wird,dann muß man sich nicht über diese Schublade wundern.Was die Bands betrifft,gibt es da zur Zeit gerade in Europa einige experimentell arbeitenden Leute wie z.B. Jesus Volt aus Frankreich oder der Brite Michael Messer die mit "Ihrem Blues " ein jugendliches Publikum ansprechen Könnten.Aber leider finden diese Leute nicht gerade viel entgegenkommen bei traditionell eingestellten Bluesern, sei es das Publikum oder der journalistischen Fraktion.Gerade Michael Messer der seinen Blues mit Rap & Hip-Hop & Scratching Elementen versetzt wird von Blues- Musikjournalisten in den Boden gestampft,wir werden sehen was die Zukunft bringt.Bis dahin sollten wir ,wie schreibt Jürgen so schön,"Dran arbeiten" auch dieses Forum kann ein Stück davon sein.

Alles wird Gut
Eckie



And don't forget to Boogie

eifelblues Offline




Beiträge: 195
Punkte: 195

11.12.2006 17:38
#7 RE: stirbt der Blues ?? Zitat · Antworten

Als Veranstalter kann ich da auch noch ein paar praktische Gedanken hinzufügen:

In letzter Zeit zeigt sich immer deutlicher, daß das Publikum fast nur noch zu Bands bzw. Künstlern kommt, die "halbwegs bekannt" sind. Das ist verheerend für neue und interessante Bands, wie z.B. die von outback-bluesman angesprochenen Jesus Volt und Andere. Noch verheerender wird es, zumindest bei uns, wenn wir deutsche Bands/Künstler anbieten.

Offensichtlich laufen amerikanische und englische Bands wesentlich besser als deutsche Bluesbands. Das macht es für uns sehr schwierig, andere Bluesbands zu präsentieren. Die Notlösung ist, diese Bands als support einzusetzen, was aber sicher nicht wirklich im Sinne des Erfinders ist.

Es ist so, daß unser Publikum "abstimmt" was geht und was nicht geht. Wir als Veranstalter müssen uns danach richten, sonst stehen wir alleine im Saal.

Aus den gemachten Erfahrungen resultiert dann auch unsere sehr eingeschränkte Möglichkeit das Risiko einzugehen, die "betroffenen" Bands/Künstler zu engagieren.

Keiner bedauert das mehr als wir!

Ich glaube auch nicht, daß der Blues tot ist. Was stirbt, ist die Bereitschaft, für gute Live-Musik Geld auszugeben. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Das hat es aber auch zu allen Zeiten gegeben und wir sollten abwarten, was das kommende Jahr bringt. Tatsache ist, daß der Veranstalter-Kuchen für alle Bands/Künstler wesentlich kleiner geworden ist und weiter kleiner werden wird.

Das führt auch dazu, daß plötzlich irgendwelche Kneipen Live-Programme anbieten, die sich sonst einen Dreck um Live-Mucke gekümmert haben. Irgendwie müssen sie ja ihre Biergläser füllen und das geht dann meist über kleine "Akustik-Sets" (darf ja nicht viel kosten, vor allem keine Technik), bei freiem Eintritt.

Hier nehme ich ausdrücklich die Clubs aus, die sich aus Platzgründen auf kleine Acts beschränken müssen.

In Zeiten wie diesen ist es dann kein Wunder, daß der Eine oder die Andere dann auch schon mal ein Konzert für lau vorzieht, statt irgendwo anders Eintritt zu zahlen. Zum Glück sind das nur wenig Leute, die meisten, die bei solchen Geiz-ist-geil-Angeboten vor Ort sind, interessieren sich ohnehin nur für Live-Musik, wenn sie nichts kostet.

Auch in unserer Gegend gab es z.B. mal eine sogenannte Session, die "etwas für den Blues tun wollte", obwohl es im Dorf nebenan jede Woche ein Blueskonzert gab. Der Eintritt bei der "Session" war frei. Die ging natürlich irgendwann pleite und das hätte dann bedeuten müssen, daß alle "Bluesliebhaber", die sonst zu diesen Sessions gingen, dann bei uns hätten auflaufen müssen, um weiterhin Live-Blues sehen und hören zu können. Tun sie aber nicht, weil es bei uns Geld kostet und soviel ist ihnen die Unterhaltung dann auch nicht wert.

Oder ein Internet-Bluesradio will nun den "Blues fördern" und überträgt ein Blueskonzert im Radio. Nein, nicht eines der Konzerte, die regelmäßig in der Nähe stattfinden sondern man veranstaltet ein eigenes Konzert. Für den Live-Blues endet so etwas wie das berühmte Nullsummenspiel. Alle sind hyperaktiv aber es hilft der eigentlichen Sache nicht weiter.

Ein kleines Netzwerk von "Bluesschaffenden" würde diese unmögliche Situation sicher verbessern können. Ob und wie man das bewerkstelligen könnte, wäre ja mal diskutierenswert.

Grundsätzlich iat es so, daß viele Menschen heutzutage den Euro dreimal umdrehen müssen und längst nicht mehr so viel für die Kultur ausgeben können, wie sie das früher gemacht haben.

Das müssen wir respektieren und unser Angebot den gegebenen Verhältnissen anpassen.Deshalb ist es um so wichtiger, zusammanzuhalten bzw. zu -arbeiten.
eifelblues

Shenandoe Offline




Beiträge: 40
Punkte: 42

13.12.2006 01:33
#8 RE: stirbt der Blues ?? Zitat · Antworten

Vieles was ihr geschrieben habt kann ich unterschreiben, aber in einem stimme ich euch nicht zu: Ich denke der Blues hat das Potenzial dazu, dass sich mehr Leute für ihn interessieren. Sie wissen es nur nicht !!!!
Schaut euch die Werbung an. Egal für was !! In 90 % ist sie mit Bluesmukke oder ähnlichem unterlegt (sogar Ingolf Lück tanzt neuerdings mit einem "let the good times roll" aussem Bild. Also ist die Musik verkaufsfördernd, ohrgängig, haftend. Das zum Einen.
Eine Misere ist dass die Jugend gar nicht weiss was sie verpasst. Daran sind zum Teil wirklich diese unverbesserlichen keinerkenntdenbluesbesseralsichtypen schuld die teilweise unbewusst höllisch darauf aufpassen dass ja keiner mehr einblick in die geschichte und hintergünde der bluesschaffenden findet als unbedingt nötig und wenn er es versucht auch noch mitleidig belächelzt wird.
Ich hab zu Walter Trout meinen Neffen und seine Frau so wie meine Schwiegertochter, trotz gegenwehr (;-) mitgenommen. Sie waren begeistert!! Hatten aber vorher noch nie was von ihm gehört. Trotz umfangreicher Rockerfahrungen. Dazu kommt die Jugend sieht Fun nicht nur in der Musik bei einem Konzert. Sie will kommunizieren, ihren Spass,lachen, tanzen und auch was trinken vielleicht Dann kanns auch was kosten... es muss ja nicht in Ballermann Niveau absinken.
Es ist sicher schwierig die Kids von ihrem HipHop oder Techno wegzulotsen, aber es ist nicht unmöglich denke ich wenn man ihnen die Gelegenheit dazu gibt den Blues kennenzulernen. Wo sollen sie es denn tun?
bei dieser Gelegenheit wäre für mich interessant, wie seid ihr zum "Blues"gekommen? Ich bin 58 und es hat erst vor 3 Jahren begonnen, allerdings dann heftigst :-))))) Gerade das Internet ist, so denke ich eine Plattform wo sowas möglich wäre und der Hunger auf Livebluesmusik geweckt werden kann. Bei mir hats gefruchtet, warum sollte es nicht bei um die Hälfte Jüngeren nicht genau so werden? Ich würde es uns und dem Blues gönnen.

Dont forget to Boogie

Shen

Wir haben alle denselben Himmel - aber nicht alle denselben Horizont !! - Konrad Adenauer -

hans-jürgen Offline




Beiträge: 196
Punkte: 212

13.12.2006 07:14
#9 RE: stirbt der Blues ?? Zitat · Antworten

Mir ist es eigentlich ziemlich egal, wie "tot oder lebendig" der Blues gerade sein soll, denn ich spiele inzwischen in zwei Bands, wo es hauptsächlich um seine rockige Version geht, und fühle mich prächtig dabei.
_____________________

ZZee ya, Hans-Jürgen

chili Offline



Beiträge: 86
Punkte: 86

13.12.2006 09:01
#10 RE: stirbt der Blues ?? Zitat · Antworten

@Shen
Hi,

natürlich sind die gleichgeschalteten Medien auch dran schuld, das Blues und andere interessante Musikrichtungen im öffentlichen Bewusstsein nicht oder kaum vorkommen. Ich moderiere im Lokalradio eine Bluessendung, glaube aber nicht, dass da viele Leute (vor allem keinen jungen) zuhören. Die Resonanz geht gegen Null. Ich höre und spiele Blues schon seit 35 Jahren, es hat mich damals als 14-15jähriger gepackt und nicht wieder losgelassen. Aber da lief Blues auch noch im Radio (war "Blues am Dienstag", Moderator: Tony Sheridan). Ich spiele auch in einer Band und das Publikum ist fast immer etwa in unserem Alter. Den Coolness-Faktor, den junge Leute brauchen, können wir einfach nicht bieten. Es geht ja um mehr als nur Musik. Hiphop und andere moderne Musikrichtungen transportieren ja auch Lifestyle, Mode, Identifikation etc.
Gruß
Jürgen

wolli Offline




Beiträge: 1.968
Punkte: 2.052

13.12.2006 10:29
#11 RE: stirbt der Blues ?? Zitat · Antworten

Zitat von Shenandoe
bei dieser Gelegenheit wäre für mich interessant, wie seid ihr zum "Blues"gekommen?


Hallo Shen, das wäre doch sicher einen eigenen Thread wert, damit die Diskussionen hier nicht parallel laufen..
Da du es angesprochen hast, überlasse ich es auch dir, den Thread zu starten.

Gruß, Wolli

Shenandoe Offline




Beiträge: 40
Punkte: 42

13.12.2006 22:16
#12 RE: stirbt der Blues ?? Zitat · Antworten

Was ich mit meinem Thread eigentlich ausdrücken wollte ist: Der Blues ist nicht tot und wird es nicht sein, aber er wird schlecht "vermarktet". Wir leben nicht mehr im "Delta" und trotzdem könnte man es bei so manchem Blueskonsumenten oder Musiker denken. Viele junge "Legenden" sind verstorben und die Helden des Blues sind über 80 usw. Mit denen kann ein junger mann oder Frau zwischen 20 und 30 nicht viel anfangen, oder habt ihr in eurer Jugend en Faible für Uropas auf der Bühne gehabt? Wenn ihr ehrlich seid denke ich kaum. Ausnahmen gibt es immer :-)
Es gibt so tolle junge Blueskünstler (Popovic, Freischlader, Fankhauser, Berge, Copeland, Tedeschi , Foley und wie sie alle heissen, aber sie werden von der eigentlichen Bluesszene nicht akzeptiert wenn sie nicht mindetens 10 "klassiker" im Programm haben (hoochie coochie, Bullfrog,Stormy Monday, Walkin uvm). Geben wir doch dem Blues die Gelegenheit neues zu gebären und stellen dann fest ob es einem gefällt oder nicht. Diese "Jungen Wilden", die selbverständlich ihre Vorbilder bei den Väters des Blues haben und die Wurzeln hegen und pflegen haben meiner Meinung nach auch das Potenzial bei der Jugen anzukommen.
Leider werden sie kaum bemerkt von den Medien oder Sendern, dabei hat ein jeder der vorgenannten Stücke in seinem Repertoire das einen Robin Williams oder Take That vor Neid erblassen würde. Da müsste man ansetzen. Investieren.

Nun ja das ist meine bescheidene unmassgebliche Meinung.

Shen
Wir haben alle denselben Himmel - aber nicht alle denselben Horizont !! - Konrad Adenauer -

wolli Offline




Beiträge: 1.968
Punkte: 2.052

14.12.2006 08:53
#13 RE: stirbt der Blues ?? Zitat · Antworten
Zitat von Shenandoe
Geben wir doch dem Blues die Gelegenheit neues zu gebären und stellen dann fest ob es einem gefällt oder nicht. Diese "Jungen Wilden", die selbverständlich ihre Vorbilder bei den Väters des Blues haben und die Wurzeln hegen und pflegen haben meiner Meinung nach auch das Potenzial bei der Jugen anzukommen.


Hallo Shenandoe, es wird ja genug neues geboren.. ich denke, das ist nicht das Problem. Es kommt nur irgendwie nicht bei der Jugend an (jedenfalls nicht in dem Maße, wie es die Interpreten der anderen Musikrichtungen tun). Die Nachfrage ist einfach nicht da, obwohl es sehr wohl ein breites ANgebot gibt. Nun wird auch keine Agentur, kein Sender und kaum einanderes Medium versuchen, ein Produkt zu vermarkten, das (im Moment) bei der Hauptzielgruppe, der Jugend, nicht in dem Maße gefragt ist. Da beisst sich die Katze in den Schwanz.. ein Kreislauf, aus dem es verdammt schwer ist auszubrechen. Keine Frage, du hast Recht, es gibt tolle junge Blueser.. aber Akzeptanz bekommen sie weitestgehend wieder nur von der "alten Garde". Wie das zu ändern wäre - ich habe keine Idee..

Gruß, Wolli

chili Offline



Beiträge: 86
Punkte: 86

14.12.2006 09:34
#14 RE: stirbt der Blues ?? Zitat · Antworten

Hi Wolli,

ich glaube auch nicht, dass man an der Situation signifikant was verbessern kann. Das Problem hat allerdings nicht nur der Blues, sondern auch der Jazz, Raeggae und verschiedene andere Musikrichtungen auch. Es gibt eben nur Einheitsbrei in den klassischen Medien und von der Industrie gesponsorte Figuren wie Tokio Hotel und sonstige "Superstars" für Kinder - Musik für Leute die eigentlich keine Musik hören. Ich setze da ein wenig auf das Internet. Bei http://www.live365.com/cgi-bin/directory.cgi?genre=blues kann man beispielsweise prima Blues hören (auch andere Musikrichtungen). Mit sowas zieht man vielleicht wieder ein paar junge Leute ins Boot. Bei den vielen Subkulturen heute ist es schwer, sich mit einer bestimmten Musikrichtung durchzusetzen. Zudem hat der Blues seine politische/gesellschaftliche Bedeutung, die er mal hatte, komplett eingebüßt - es geht da "nur" noch um Musik. Und ich glaube, Jugendliche brauchen mehr - etwa das, was Hiphop zurzeit bietet (coole Klamotten, politische Ansprache usw.).

Aber in seiner Nische hat Blues schon einen relativ prominenten Platz. Und wie man sieht, spielen ja auch jüngere Leute Blues. Soooo schlecht ist die Lage meiner Ansicht garnicht. Immerhin kann man heute wenn man will viel mehr Blues hören und sehen als jemals zuvor.
Gruß
Jürgen

wolli Offline




Beiträge: 1.968
Punkte: 2.052

18.12.2006 08:11
#15 RE: stirbt der Blues ?? Zitat · Antworten

Hallo Chili,

jo - ich denke da hast du Recht. Der Jugend, oder sagen wir mal den jugendlichen Musikkonsumenten) genügt nicht mehr gute Musik alleine..
da muss man heutzutage dann noch eine Menge darum herum machen, cool sein, einen Kult aufbauen..wenn das alles passt..dann kommt die Musik
auch als Kriterium noch zum Zug. Meiner Meinung nach auch eine Folge der heutigen Medienschwemme. Wenn ich so überlege,was wir früher hatten.. die Musik auf Schallplatte - die Bravo, und ab und zu mal unseren Star bei Ilja Richter oder im Beatclub, Rockpalast... das Angebot war eben sehr beschränkt..da stand ebennoch die Musik mehr im Vordergrund, als es wohl heutzutage der Fall ist.

Gruß, Wolli

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