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Dieses Thema hat 89 Antworten
und wurde 5.954 mal aufgerufen
 Blues - allgemeine Diskussion
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Shenandoe Offline




Beiträge: 40
Punkte: 42

26.11.2007 14:00
#31 RE: Ist der Live-Blues am Ende? Zitat · antworten

Lieber Markus,

was du da schreibst spricht mir mitten aus der Seele und ich kann das voll unterstreichen. Besser kann man es nicht ausdrücken.
Und nein, ich glaube das kann man nicht lernen, sondern die emotionale Glaubwürdigkeit erwirbt man sich durch seine ureigenen Lebenserfahrungen und der angeborenen Offenheit sie auch rauslassen zu können. Dann passt es....

Shen

Wir haben alle denselben Himmel - aber nicht alle denselben Horizont !! - Konrad Adenauer -

dr. mojo Offline




Beiträge: 1.060
Punkte: 1.068

26.11.2007 16:04
#32 RE: Ist der Live-Blues am Ende? Zitat · antworten

Hallo,

Zitat von Markus

Ein ganz wichtiger Punkt - und dieser Punkt ist, glaube ich, in der bisherigen Diskussion ein wenig zu kurz gekommen -, ist, dass Blues sehr viel mit einer wirklichen emotionalen Beziehung zur Musik zu tun hat.
...
Jetzt bleibt nur noch die schwierige, weil eher philosophische Frage, ob man als Musiker das "emotionale Spiel" lernen kann oder ob es - je nach Persönlichkeitsstruktur - entweder da ist oder nicht. In jedem Fall gilt: Wenn irgend etwas den Blues in die Zukunft rettet, dann das immer währende Bemühen der "Blues-Treibenden", andere Musiker und natürlich vor allem auch jedes Publikum (ob bei Session, im privaten Kreis oder bei "richtigen" Konzerten) davon zu überzeugen, dass der Blues pure Emotion ist - und pure Emotion das Leben!
In diesem Sinne: Let the good times roll..
Markus


Das, was Markus geschrieben hat, hat mir aus der Seele gesprochen. Aber auch das, was Wolfgang vorher geschrieben hat, finde ich sehr wichtig. Ich denke, beides gehört zusammen und das eine oder das andere ist nicht mal die Hälfte.
Wenn ich mich mit der Geschichte des Blues, den Musikern, ihrem Umfeld, den Songtexten und ihrer Bedeutung etc. beschäftige, dann kann ich einen Song wesentlich besser rüberbringen, als wenn ich nur einfach den Text singe und ansonsten nicht viel Hintergrundwissen habe.
Ich glaube also, dass man schon in gewissem Umfang selbst etwas daran tun kann, den Blues emotionaler und mit persönlicher Note zu machen. Wenn bereits "das emotionale Spiel" da ist, dann kann das ganze noch eine Stufe intensiver ablaufen und das merken die Zuhörer dann auch besonders deutlich. Und das merkt man als Musiker auch am vorhandenen Feedback (oder eben auch am "nicht" vorhandenen Feedback).
Es ist vielleicht so ähnlich wie beim Sport: es müssen auch Talent und Leidenschaft dabei sein, sonst nutzt das ganze Training nix.

Herzliche Mojo-Grüsse aus dem Bergischen Blues-Delta von

Dr. Mojo

http://www.drmojo.de
http://www.midnighttrain.de
http://www.akustiksession.de

Wolfgang Offline



Beiträge: 34
Punkte: 34

28.11.2007 22:56
#33 RE: Ist der Live-Blues am Ende? Zitat · antworten

@ An alle (auch und gerade an mich)
Wer viel schreibt, produziert auch viele Missverständnisse….

@ An alle (weniger an mich)
1. Wer weiter entwickeln will, muss erst einmal die Substanz dessen erfassen, was er weiter entwickeln will. Außerdem sollte man schon im Auge haben, was andere, mit der Materie Vertraute schon auf den Weg gebracht haben, als Anregung, aber auch zur Vermeidung von Doppelentwicklungen.
Die Herren Gallagher, Moore und – jedenfalls in der Regel – Clapton haben dazu nichts geleistet, dabei bleibe ich. Der besondere Verdienst dieser Herren liegt darin, Bluesstücke den Hörerwartungen eines weißen Publikums mehr oder weniger überzeugend angepasst und da-mit, gewissermaßen als „Brücke“, für ihre Verbreitung bei uns gesorgt zu haben. (Ich selbst bin damals über die „Brücken“ Ten Years After und Chicken Shack gegangen). Für die später Geborenen wird es SRV gewesen sein.
Ohne diese Vermittlungsleistung gäbe es m. E. bei uns diese Musik nicht, es gäbe das Forum nicht und es gäbe nicht die, die sich selbst als Blueser bezeichnen wollen. Das muss man bei aller Kritik insbesondere an Gary Moore, der sich für alle „richtigen“ Bluesleute zu einem „roten Tuch“ gemacht hat, berücksichtigen.

2. Über Musik kann man zwar immer mitreden, viele Wege führen nach Rom. (Selbst der, auf dem „Bluesrock“ steht; kleiner Scherz). Gleiches gilt für jede Art von emotionaler Musik.
Als „Blueser“ sollte sich aber derjenige, der auf „Brücke“ stehen geblieben ist, besser nicht bezeichnen. Dafür ist er noch viel zu weit von dieser Materie entfernt. Entsprechend sind die daran orientierten Darbietungen des Betreffenden, die der Erwartung „Blues“ nie und nimmer genügen können.
Wer Blues spielen will, muss sich daher mit dieser Materie auch vertraut machen. Anders geht’s einfach nicht – sonst spielt er zum 2451 Male „Before You Accuse Me“ ohne die dazu gehörige Phrasierung und vermittelt damit den völlig falschen Eindruck, das sei der Blues und dieser erschöpfe sich darin.
Learning by doing ist o.k. und Gallagher, Clapton & Co sind wirklich gute Ausgangspunkte für das Blues spielen – aber nur Ausgangspunkte! Wer dabei stehen bleibt, macht nicht wirklich Blues. Wer trotzdem mit diesem Anspruch auftritt, muss wissen, dass er diesem Anspruch von vornherein nicht gerecht werden kann.

3. Wenn ich in meinem letzten Beitrag bestimmte Damen und Herren Bluesleute genannt habe, dann nicht mit dem Ziel „Seht, wen ich alles kenne“ sondern mit dem Anspruch „Reinhören, das ist er, der Blues“!

4. Meine „Zitatensammlung“ bezog sich nicht nur auf die Musiker, sondern vor allem auf deren häufig im Musikgenuss überhörten Texte, die immer schon - auch in früheren Epochen - die allzeit aktuellen Themen eben doch gebracht haben.
Texte richtig zu übersetzen und die bluestypischen Verschlüsselungen zu verstehen, hat nichts mit „Wissenschaftlichkeit“ zu tun. Die Texte sind so, wie sie gemeint waren, auch von Anal-phabeten verstanden worden, für die die älteren Texte teilweise auch geschrieben worden sind. (Diese Einfachheit ist übrigens der zweite große Kritikpunkt der jüngeren schwarzen Generation).
Wer sich zur Weiterentwicklung des Blues berufen fühlt und moderne, offenere, wenig verschlüsselte und gar nicht mehr simple Texte hören oder/und selbst schreiben will, sollte mal anregungshalber bei Kinsey Report, Larry McCray, Michael Burks; Shemekia Copeland (die hat mehrere gute Texter), Joe Louis Walker, Jerry McCain, Garner, James Harman, Rick Estrin (Little Charlie) und bei dem unerschrockenen alten Soulman Johnny Tailor (teilweise tolle Sachen) rein hören. So könnte es gehen. En passant kriegt man auch was von dem Umfeld dieser Musik mit.

@ Markus
Vieles von dem, was Du geschrieben hast, ist mit den obigen Ausführungen mit beantwortet.

@ Markus und Franz
In einem muss ich Euch korrigieren. Blues ist nicht bloß pure Emotion.
- In vielen Stücken steckt gerade in der von Europäern häufig übersehenen rhythmischen Struktur eine ganze Menge „Gehirnschmalz“. Markus, hör Dir mal konzentriert den gerade von Clapton besonders geschätzten Robert Johnson an und versuche dann, dessen stückspezifische Gesangs- und Gitarren-Phrasierungen (nicht nur die Harmonien!!) umzusetzen. Ziemlich komplex. „Viel Spaß dabei“ zu wünschen, wäre in Bezug auf die Umsetzung zynisch. Vielmehr ist Frustrationsfestigkeit angesagt.
- In führenden Bluesbands hat es „musical directors“ gegeben, die das, was so spontan klingt, zuvor geplant und mit sehr mühsamer langwieriger Bandarbeit auf die Reihe gebracht haben. Hier fallen mir Bob Margolin (späte Muddy-Waters-Band), Ken Wrangel (Johnny Copeland), Rico McFarland (späte Jr.Wells-Band; Lucky Peterson) und der verstorbene Little Milton (div. Soul-Sänger, Ausbilder von Rico McFarland) ein. (Aufzählung nicht vollständig). Die Kunst ist es, das so geräuschlos zu machen, dass der Zuhörer so wenig wie möglich davon mitbekommt – also nicht immer so brachial-respektfordernd aufzutreten wie die junge Trompeterin von Otis Clay bei seinem Jazz-Lev Auftritt vor einigen Jahren, die ihren Part in der Sache aber ausnehmend gut gemacht hatte. Rico McFarland hat es mindestens bei zwei Jazz-Lev-Auftritten gezeigt, wie man es richtig macht. Wie es gar nicht geht, weil ein guter musical director fehlt, zeigt der berüchtigte Trompeter auf den einzig vorhandenen Live-Aufnahmen von Otis Redding aus dem Whisky a GoGo. Für den war´s vielleicht Emotion pur – aber nur für den.
- Bei führenden Bands ist ein Alkoholverbot während des Auftritts nicht ungewöhnlich. Seine Einhaltung wird sogar überwacht. So ist etwa Joe Louis Walker in der Pause eines Club-Auftritts herum gegangen und hat nachgeschaut, ob bei „seinen“ Leuten wirklich nur Mineralwasser auf den Tischen stand. Die haben sofort demonstrativ die Hände von Gläsern und Flaschen genommen, damit er sah, was drin war!
- Ein im Kölner Raum lebender älterer Musiker springt häufig im letzten Drittel seines Auftritts vor lauter Emotion auf einen Tisch und spielt leicht tanzender Weise dort ein paar Minuten weiter – aber erst nach dem er beim Soundcheck die Tragfähigkeit des Tisches geprüft und einen Stuhl davor gestellt hat, um beim späteren Auftritt wie auf einer Treppe auf den Tisch zu steigen. Recht hat er – für einen sturzbedingten Ausfall würde keine Krankengeld-Tagesversicherung eintreten. (Ich bin das nicht; aber ich würde es auch so machen, wenn ich er wäre!)

Die Dinge sind nicht immer so, wie sie vielleicht scheinen oder wir sie sehen mögen.

@ An mich
Und da hatte ich mir vorgenommen, nicht mehr so viel zu schreiben.





chili Offline



Beiträge: 86
Punkte: 86

08.02.2008 12:43
#34 RE: Ist der Live-Blues am Ende? Zitat · antworten

Hi allerseits,

war lange nicht mehr hier, interessante Diskussion. Einige Dinge sind mir dabei (negativ) aufgefallen (neben dem Positiven).

1. Arroganz. Wer nur die alten Heroen in den Himmel hebt, und alle neuen Entwicklungen im Blues negiert, wie es hier jemand tut (Gallagher et al. keine Innovatoren usw), darf sich natürlich nicht wundern, wenn junge Leute, die die alten Blueser nicht mehr erleben können, damit so ihre Probleme haben. Wenn Weiße den Blues nicht weiterentwickelt hätten, wäre er schon seit langem nur noch ein Phänomen für die Geschichtsbücher.

2. Arroganz. Leute, die zu Sessions gehen, besuchen keine Live-Konzerte. Das muss ja wohl noch jedem selbst überlassen sein. Ich gehe beispielsweise zu Sessions, weil das meist ein gemütlicher Abend in einer bestimmten Szene wird. Das gemeinsame Musizieren ist doch nur der Kit, der diesen Abend ermöglicht. Wenn ich gute Musik hören will, gehe ich auf ein Konzert. Das sind doch zwei völlig verschiedene Paar Schuhe. Dass Sessions die Live-Musik-Szene zerstören sollen, halte ich für wahrlich bizarr.

3. Dass Blues nicht mehr so präsent ist wie in vergangenen Jahrzehnten, liegt natürlich auch daran, dass es heute tausende von musikalischen Subkulturen gibt, die sich den vorhandenen Platz teilen müssen. Das hat mit den Superstars auf RTL nix zu tun.

Gruß
Jürgen

Wolfgang Offline



Beiträge: 34
Punkte: 34

08.02.2008 18:32
#35 RE: Ist der Live-Blues am Ende? Zitat · antworten

Chili-Jürgen schreibt zu Sessions:

In Antwort auf:
Das gemeinsame Musizieren ist doch nur der Kit, der diesen Abend ermöglicht. Wenn ich gute Musik hören will, gehe ich auf ein Konzert. Das sind doch zwei völlig verschiedene Paar Schuhe.


Daas hat noch niemand zuvor so auf den Punkt gebracht.

In der Konsequenz heißt das: Wenn man gute Musik machen oder solche hören will, geht man nicht auf Sessions.

Das ist, egal wie man zu einem solchen (Selbst)Verständnis steht, leider genau eines der Probleme des "real existierenden Sessionwesens".

Haben das etwa die "GL" vom Old Woodhouse oder die Macher vom Herbrands auch so gesehen und dementsprechend "disponiert"?

pappa ( Gast )
Beiträge:

08.02.2008 19:21
#36 RE: Ist der Live-Blues am Ende? Zitat · antworten

Zitat von Wolfgang Sass (Wolfgang)

Daas hat noch niemand zuvor so auf den Punkt gebracht.
In der Konsequenz heißt das: Wenn man gute Musik machen oder solche hören will, geht man nicht auf Sessions.



So einfach kann man es sehen.

Aber wenn eine Session gut ist freut man sich, über ein schlechtes Konzert ärgert man sich.

Session hat auch was mit Stammtisch zu tun, Leute treffen, tratschen, Spaß haben. Wenn da mal was in die Hose geht ist das nicht so schlimm, Niemand erwartet eine perfekte Darbietung. Bei einem Konzert ist die Erwartungshaltung eine ganz andere.

Kurt Schröder Offline




Beiträge: 125
Punkte: 125

09.02.2008 16:51
#37 RE: Ist der Live-Blues am Ende? Zitat · antworten

Hallo zusammen, das Thema hier hält sich ja erstaunlich lange :-)

Chili´s Bericht hat mir einfach aus der Seele gesprochen, dazu möchte ich dann auch noch ein wenig anmerken.

Sessions ist eine sehr wichtige Anlaufstelle für uns Blueser, glaube auch nie und nimmer das sie einem kommerziellen Veranstalter die Existensgrundlage in Frage stellt.
Im Gegenteil...viele Bands haben sich gerade dort..auf Sessions kennen gelernt.
Was mich auch noch ein wenig gewundert hat..Gallegher steht für mich persönlich eher für Rock..weniger für Blues...
Aber bitte...sind wir einfach tollerant...lustiger war denn da noch vor kurzem ein Erlebniss...Session xy...ein bekennender R. Gallegher Fan und zugeben... guter Gitarrist (jetzt bitte aber nicht zu ernst nehmen, spreche auch niemanden persönlich an) wusste nix mit dem Stück von J.L.Hooker--"Boom Boom" anzufangen...schmunzel..schmunzel...
aber er hat das Stück auch ohne Vorkenntniss noch ganz ordentlich hin bekommen...
Tja!! leben mit dem Blues.. :-))gibt`s was schöners ???

viele Grüße
Kurt

guennes Offline




Beiträge: 1.212
Punkte: 1.212

10.02.2008 14:06
#38 RE: Ist der Live-Blues am Ende? Zitat · antworten

Das ist auch eine Definition, die mich in meinem Empfinden neu zeichnet.

In Antwort auf:
In Antwort auf:Das gemeinsame Musizieren ist doch nur der Kit, der diesen Abend ermöglicht. Wenn ich gute Musik hören will, gehe ich auf ein Konzert. Das sind doch zwei völlig verschiedene Paar Schuhe.

Will sagen: Als Veranstalter und auch als Besucher haben mich die Sessions immer näher an der Wunsch heran gebracht auch mitzumachen. Ich habe mich "leider" als Jugendlicher auf das Zuhören beschränkt, denn im Elternhaus hatte man mit Musik, vor allem nicht mit der der "Schwarzen" am Hut; meine Neigungen im bildnerischen Lager wurden eher akzeptiert.
Bedeutet, während einer guten Performance eines Konzertes bin ich nur andächtigter Konsument, aber bei den natürlich auch guten Sessions möchte ich Teil werden, die Liebe zum Blues und die meisten Musiker-Kumpels bilden dieses gute Feeling, da möchte ich Teil sein.

...so isset,
un nu?

chili Offline



Beiträge: 86
Punkte: 86

11.02.2008 10:25
#39 RE: Ist der Live-Blues am Ende? Zitat · antworten

Moin,

nochmals zu den Sessions. ich war Freitag auf einer, das Niveau war erstaunlich hoch, die Hütte war voll, den Wirten, dem Publikum und den Musikanten hat's gefallen, alle waren glücklich. So soll es sein. Und am nächsten Samstag gehe ich in die Bluesgarage Hannover, und gucke mir Dr. Feelgood an. Ich bin sicher, das etliche der Session-Besucher auch dort sein werden. Also alles kein Problem...

Aber hier ging es ja um das Überleben der Live-Musik. Ich glaube, der Blues ist auch ein bischen in der Krise, weil es in diesem Umfeld zu viele Puristen gibt, die zwangläufig alle schon etwas älter sind (ich auch älter, nicht Purist). Diese feinsinnigen Unterscheidungen (Gallagher ist Rocker, kein Blueser, nur der Blues der alten Haudegen ist richtiger Blues, wer die nicht kennt und das "Feeling" nicht hat usw.). Das geht überhaupt nicht, Leute! Gallagher ist aber sowas von einem Blueser! (jetzt nur als Beispiel). Wenn wir immer nur auf den ollen Kamellen rumreiten, dürfen wir uns nicht wundern, wenn der Nachwuchs fehlt. Welcher 16jährige will denn alte Säcke sehen, die den "wahren" Blues spielen. Hier müssen moderne Konzepte her, wie sie etwa Joe Bonamassa und viele andere verkörpern. Die sind nicht etwa ein "Umweg", sondern einfach die modernen Repräsentanten des Blues. Baumwollfelder usw. waren zu einer anderen Zeit. Nicht missverstehen: Ich liebe und höre die Alten sehr gern, die begleiten mich schon mein ganzes Leben. Aber ich höre auch viele, viele neue Sachen. Und da ist überall Blues drin, auch wenn da manchmal weiße Milchbubis auftauchen, denen man das vielleicht zunächst nicht zutraut. Man darf aber auch nicht vergessen, dass Muddy Water, Robert Johnson, B. B. King, SRV. Gallagher etc. auch alle jung waren, als sie losgelegt haben. Hört euch beispielsweise mal Matt Schofield oder The Buddaheads an (meine derzeitigen Favoriten, auf Youtube zu sehen). Also wenn das kein Blues ist...

Gruß
Jürgen

pappa ( Gast )
Beiträge:

11.02.2008 14:05
#40 RE: Ist der Live-Blues am Ende? Zitat · antworten

[quote="chili" Wenn wir immer nur auf den ollen Kamellen rumreiten, dürfen wir uns nicht wundern, wenn der Nachwuchs fehlt. Welcher 16jährige will denn alte Säcke sehen, die den "wahren" Blues spielen. Hier müssen moderne Konzepte her, wie sie etwa Joe Bonamassa und viele andere verkörpern. [/quote]


Das halte ich für einigermaßen Mumpitz, zumindest für ziemlich subjektiv.

Ob 16, 26, 36 oder auch 66, Blues ist eine Spartenmusik und in allen Altersschichten wirst du nur wenige treffen die sich dafür interessieren. Ich denke nicht, dass zu wenige 16-jährige vor den Bühnen stehen. Wenn man es cool rüberbringt lassen die sich sogar Autogramme schreiben. Und auch mit den Instrumentalisten ist es nicht zu wenig. Man sehe sich Jan Schwarte oder Robin an. Wir haben neulich noch einen Gig mit einem 13-jährigen Trommler gespielt. Alex Lex und Christoph Urbaniak sind auch grade erst 18 oder 19. Und dann war da noch der junge Gitarrist aus Hannover.......

Also am Nachwuchs mangelt es aus meiner Sicht nicht unbedingt.

Wohl aber am Marketing. Das hätte aber den Nachteil, dass auch ein Herr Bohlen den Blues plötzlich für sich und seine Klientel entdecken könnte. Ob wir das aber wirklich wollen?!?

Was Bonamassa betrifft: Gut der Mann macht geile Musik, ein modernes Konzept kann ich da aber nicht erkennen.

Grüße
Achim

netzteil Offline




Beiträge: 167
Punkte: 185

11.02.2008 18:49
#41 RE: Ist der Live-Blues am Ende? Zitat · antworten
In Antwort auf:
...Wenn man es cool rüberbringt lassen die sich sogar Autogramme schreiben.


Tja, auch wenn Achim und ich nicht immer einer Meinung sind, das will ich gerne unterstützen,
die Diskussion war bis hierher ja schon recht vielschichtig und fast alles ist schon gepostet worden.
Medienschelte bringt erfahrungsgemäß wenig, musikwissenschaftliche Ergüsse ebenso.

Meine Meinung: Qualität, Qualität, Qualität, in welchem Genre auch immer.
Wenn ein Live-Act die Leute an den ... packt, kommen Sie auch gerne wieder.
Und hier sind wir alle in der Pflicht, Mucker und Veranstalter!

Ich bin so ketzerisch - ich find' Amy Winehouse gut, und der Sänger von Tokio Hotel ist auch verdammt gut.

Außerdem meine ich, die überschaubare Bluesgemeinde sollte sich nicht in Richtungskämpfen à la Judäische Volksfront vs. Volksfront von Judäa verlieren, sondern zusammen daran arbeiten, dem verehrten Publikum den Blues als hörenswerte Musik zu präsentieren.

Das geht nur im Ausnahmefall mit Hobby-Musikern, ich sammel' ja auch nicht öffentlich Briefmarken. =:-)

Bis die Naechte...
Grend Blues Session - Udo Marx
http://www.netzteil.com/session/

chili Offline



Beiträge: 86
Punkte: 86

12.02.2008 10:57
#42 RE: Ist der Live-Blues am Ende? Zitat · antworten

@pappa: Also was ich schreibe, ist natürlich immer subjektiv. Ich glaube kaum, dass hier jemand objektiv ist. Sowas gibt es nämlich nicht, bzw. wer sowas für sich in Anspruch nimmt, wird von mir nicht ernst genommen.

Mumpitz ist das, was ich schrieb, keinesfalls. Da kommt wieder die von mir in dem anderen Posting angeprangerte Arroganz durch.

Ich habe auch schon mit sehr jungen Musikern gespielt, das ist doch garnicht die Frage. Die Frage dieses Threads lautet "Ist der Live-Blues am Ende?". Darauf versuche ich eine Antwort zu finden. Gründe für Besucherrückgänge bei Konzerten/Sterben von Live-Lokationen usw. gibt es sicher viele. Einer davon ist das schlechte Image des Blues. Jüngere Zuschauerschichten sind so kaum zu erschließen. Das hängt meiner Ansicht nach mit dem musikalischen Purismus einiger Blueser (auch hier in diesem Forum) zusammen. Deswegen müssen neue Konzepte her oder zumindest Shows, die einfach ein moderneres Erscheinungsbild abgegeben. Bonamassa hat beispielsweise Erfolg, weil er nicht altbacken rüberkommt. Wirklich neu ist das natürlich nicht, das weiß ich auch. Blues neu zu erfinden, halte ich sowieso für unmöglich.

Mein Anliegen ist es, den Blues ein wenig aus seiner Ecke rauszuholen, ich denke, da kann jeder eine Menge zu beitragen. Ich mache zum Beispiel eine Radiosendung dazu und spiele mit emienr Combo auch auf Veranstaltungen, die nicht unbedingt Blues-lastig sind, also auch mit Metal/Punk-Bands zusammen oder auch auf Vernissagen;-)
Gruß
Jürgen

pappa ( Gast )
Beiträge:

12.02.2008 15:39
#43 RE: Ist der Live-Blues am Ende? Zitat · antworten

Zitat von chili
@pappa: Also was ich schreibe, ist natürlich immer subjektiv. Ich glaube kaum, dass hier jemand objektiv ist. Sowas gibt es nämlich nicht, bzw. wer sowas für sich in Anspruch nimmt, wird von mir nicht ernst genommen.

Mumpitz ist das, was ich schrieb, keinesfalls. Da kommt wieder die von mir in dem anderen Posting angeprangerte Arroganz durch.



Ich schrieb, dass ich es für Mumpitz "halte". Ich habe absichtlich den Konjunktiv benutzt um deutlich zu machen, dass es sich um meine persönliche Meinung handelt. Wenn du allerdings eine eigene Meinung als Arroganz wertest erübrigt sich wohl jegliche weitere Diskussion .....


chili Offline



Beiträge: 86
Punkte: 86

12.02.2008 16:44
#44 RE: Ist der Live-Blues am Ende? Zitat · antworten
@pappa

eine eigene Meinung ist sehr zu begrüßen. Aber "Mumpitz" hat auch im Konjunktiv eine ziemlich negative Konnotation... Aber lass und das jetzt nicht auf dieser Ebene austragen, das führt nur zu Frust.
Gruß
Jürgen
netzteil Offline




Beiträge: 167
Punkte: 185

12.02.2008 18:46
#45 RE: Ist der Live-Blues am Ende? Zitat · antworten
In Antwort auf:
Ich mache zum Beispiel eine Radiosendung dazu...

Radiosendung? Wo und wie und wann?
Mach' mich ma' schlau!

Bis die Naechte...
Grend Blues Session - Udo Marx
http://www.netzteil.com/session/

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