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Dieses Thema hat 89 Antworten
und wurde 5.914 mal aufgerufen
 Blues - allgemeine Diskussion
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Markus Offline




Beiträge: 638
Punkte: 642

21.11.2007 14:44
#16 RE: Ist der Live-Blues am Ende? Zitat · antworten

Ist doch klar: Wer in der Eifel den Blues hat, geht nicht zu Konzerten mit traditioneller (Blues) Musik, sondern ins Heino-Café nach Bad Münstereifel Alternativ bietet sich immer auch irgendwo ein Festzelt zum Nachfüllen einheimischer Gerstenkaltschale an. Für Südstaaten-Musik ist es im Gebirge viiiiiiiiiiel zu kalt.
Hugh, ich habe gesprochen!

Markus

Shenandoe Offline




Beiträge: 40
Punkte: 42

21.11.2007 15:10
#17 RE: Ist der Live-Blues am Ende? Zitat · antworten

Und da sind wie beim Kern des Themas !!!

Sicher leben die alten, stilprägenden Blueser nicht mehr und die die es noch gibt haben eine nicht mehr voraussehbar allzulange Zeit vor sich.
Ich war letzte Woche auf einem Louisiana Red Konzert in Bonn. Die beeindruckendsten Momente für mich waren, als der Mann mit seiner akustischen Gitarre alleine seinen Blues spielte. Dieses Gefühl kann man nicht beschreiben...das hatte Seele, dieses Wort was so oft in dem Zusammenhang missbraucht wird. Ich bin keiner der mit dem Blues grossgeworden ist, aber ich habe ihn liebengelernt und heute kann ich sagen ich kann ihn spüren wenn ich das erlebe was ich da bei Red erlebt habe. Natürlich mag ich Bluesrock und dieser Louisiana Red hat da auch, fast bedauerlicherweise "seinen Affen Zucker" gegeben, indem er ihn auch gespielt hat. Den Blues, den hat er aber auf seiner akustischen Gitarre gespielt und mir stellen sich heute noch die Nackenhaare vor Genugtuung und Befriedigung wenn ich daran denke. Wenn dann einige Besucher mit Elvisfrisur bei diesem Mann die "Luftgitarren" auspacken und sich im Gitarrengewitter suhlen sei es ihnen sicher gegönnt, aber den Blues, den haben sie nicht aufgesogen damit. Worauf ich hinauswill ist: Wäre dieses Konzert als rein akustisches Blueskonzert angekündigt worden, ich verwette meinen Arsch es wären keine 50 Leute dagewesen. So war der Laden voll.

Um auf unser Thema zurückzukommen, wo sind die Blueser (Musiker) auch die hier im Forum, von wenigen abgesehen, die sich trauen den Blues mit einer Akustik zu spielen? Ihre Seele preiszugeben? Ein Stück ihrer eigenen Persönlichkeit auszubreiten, ihre Fehler zu besingen oder ihr Leid und ihre Freude? Man versteckt sich eher in der Menge und klampft in der Gruppe anonym vor sich hin. Versteht mich bitte nicht falsch, ich will keinem vorwerfen daß er gerne mit Freunden oder auch Fremden musiziert und mit Dr. Mojo haben wir zum Beispiel ja auch jemanden im Forum, der das was ich beschrieben habe meines Wissens macht. Vielleicht würde es denjenigen Musikschaffenden helfen, die mal ein solches Erlebnis live gesehen und gefühlt haben, wie mir das passiert ist, um den Mut zu haben, den Blues nicht zu Rockkonzerten oder "Jetztfetzenwirmalrichtigab-Partys verkommen zu lassen, sondern ihn selbst zu spielen und ihn vorzustellen. Das kann durchaus in einer Session sein, wenn man die Quellen kennt (Liverlebnisse die prägen).

Natürlich liebe ich auch Bluesrockkonzerte bei denen so richtig die Post abgeht, die mit einer Virtuosität dargeboten werden wie ich sie sicher nicht als Session finden werde, sondern in denen "Profis" und damit meine ich auch professionelle Künstler die Sau rauslassen. Nur wenn die, ich denke da zum Beispiel an "Waltraud" zwischendrin einen Blues zelebrieren, dann weiss man auch daß sie ihn haben, leben, lieben. Alle !!! Auch Bonamassa:-) Ohne ihn als Grundstock läuft nix !!! Ist meine Meinung, erschlagt mich bitte nicht.

Jetzt hab ich mich irgendwie verzettelt...sorry...viel zu lang geworden.

Kurzes Fazit: Geht auf Livekonzerte und lebt den Blues, solange es ihn noch gibt. Achja, und sagts euren Kindern, muss ja nicht Deep Purple sein ;-), die konnten das auch übrigens mit dem Blues ....


Liebe Grüsse Shen

Wir haben alle denselben Himmel - aber nicht alle denselben Horizont !! - Konrad Adenauer -

BigBad Offline



Beiträge: 73
Punkte: 73

21.11.2007 15:51
#18 RE: Ist der Live-Blues am Ende? Zitat · antworten

Stichwort "Bonamassa"
Hier im Forum sind sicher einige, die ihn vor einigen Wochen in der Kantine gesehen haben.
Es war ein tolles Konzert und der Laden war voll.
ABER... (auch wenn man mich jetzt steinigt) so richtig vom Hocker gerissen hat mich das alles nicht.
Mr. Bonamassa ist ohne Frage ein begnadeter Gitarrist, aber seine kompositorischen Fäihigkeiten halten
sich auch stark in Grenzen. Er klaut auch was das Zeug hält. Auf dem Konzert habe ich starke Anlehnungen
an Themen von Black Sabbath, Led Zeppelin, Deep Purple u.v.a. wahrgenommen. Ob er den Blues hat liegt wohl auch
mehr im Auge des Betrachters bzw. Ohr des Zuhörers. Für mich klingt er oft zu "kalt", aber kann ja auch eine
Form von Blues sein. Da hat (für mich) ein Warren Haynes oder ein Derreck Trucks wesentlich mehr Blues in
den Fingern.
Seine "Begleitband" empfand ich als grundsolide, nicht weniger aber leider auch nicht mehr. Da hab ich sowohl
bei ihm als auch anderen "High-Level-Acts" schon erheblich besseres gesehen bzw. gehört.
Ich sag das, weil hier auch immer vom qualitativen Unterschied zu Coverbands oder Nonamebands geredet wird.
Das mag ja in großen Teilen stimmen aber es ist auch nicht die Regel. Ich hab im laufe der jahr(zehnte)
- oh Gott - schon so manche Noname- oder Coverband gesehen die mich mehr begeistern konnte wie ein Top-Act.

Gruß
Frank

http://www.strange-brew.eu
http://www.sonicbids.com/epk/epk.asp?epk...ission_id=&lv=1

dr. mojo Offline




Beiträge: 1.060
Punkte: 1.068

21.11.2007 16:17
#19 RE: Ist der Live-Blues am Ende? Zitat · antworten

Hallo,
ich mache immer wieder die Erfahrung, dass die Leute ganz besonders von den Songs angesprochen werden, die "eine persönliche Geschichte" haben. Das sind z.B. Songs wie
I heard the angels singing
walk a mile in my shoes
it hurts me too
Left home when I was a kid
When you got a good friend

um nur einige zu nennen. Da kommt es regelmäßig vor, dass nach einem Auftritt Leute zu uns kommen und sagen, dass sie ein ganz bestimmter Song sehr bewegt und angesprochen hat.
Das kann natürlich nicht bei jedem Song der Fall sein. Aber wenn immer wieder mal Songs dabei sind, wo man seine eigenen Emotionen hineingibt, sich für das Publikum öffnet (und dadurch auch in gewisser Weise verletzbar wird), ein Stückweit den Song selbst erlebt hat und das Publikum innerlich nickt und sagt "ja, das Gefühl kenne ich".

Dann - so glaube ich - war es ein gutes Konzert und eine gute Werbung für den Blues.

Herzliche Mojo-Grüsse aus dem Bergischen Blues-Delta von

Dr. Mojo

http://www.drmojo.de
http://www.midnighttrain.de
http://www.akustiksession.de

eifelblues Offline




Beiträge: 195
Punkte: 195

21.11.2007 18:52
#20 RE: Ist der Live-Blues am Ende? Zitat · antworten

Hoi Markus,

Du scheinst Dich auszukennen in der Eifel.

Heino's Cafe und auch Bad Münstereifel werden regelmässig von bebussten Rentnerhorden heimgesucht.

Was sich in Eifeler Festzelten abspielt, dazu sage ich lieber nichts.

Wenn es aber um Blues geht, kommste in der Eifel nicht an uns vorbei. Wer sich in der Eifel für Blues interessiert, ist auch auf den Konzerten in der Burg Satzvey oder im Kulturbahnhof in Nettersheim zu finden.

Und wenn es kalt wird und schneit, hat die Eifel ihre grossen Vorteile. Die Strassen sind immer frei.


@ Shenandoe

Sehr schöne Beschreibung dessen, was das Louisiana Red-Konzert bei Dir ausgelöst hat. Kann ich voll unterschreiben. Red war ja auch schon mehrmals bei uns und es immer wieder eine Freude, ihm zuzuhören.

Als anderes Beispiel kann ich noch HONEYBOY EDWARDS nennen, auch einer der letzten Bluesmänner, wie Red, aber noch 10 Jahre älter. Der hat vor zwei Jahren ein Solo-Konzert bei uns gespielt, das mich aus den Schuhen gehauen hat. Leider waren gerade mal 70 Leute da.

Das zeigt aber, dass auch akustischer Blues seine, wenn auch wenigen, Fans hat. Wir haben deshalb die Akustikkonzerte im Kulturbahnhof begonnen, um dieser, eher kleinen Fangruppe, das entsprechend gemütliche Ambiente zu bieten.Mal sehen, wie sich das entwickelt.


@ Dr. Mojo

Du sagst es: Emotionen durch direktes Zuhören!

eifelblues

Markus Offline




Beiträge: 638
Punkte: 642

21.11.2007 23:03
#21 RE: Ist der Live-Blues am Ende? Zitat · antworten
Hallo Harry, ich bin der führende Eifel-Experte in der rheinischen Tiefebene! Oma und Opa aus Eicherscheid, jede Menge Verwandte überall auf den Bergen, Freundin in Schönau, regelmäßige Joggingtouren rund um den Michelsberg - und natürlich regelmäßig Konzerte in der Burg Satzvey. Viel mehr Eifel geht nicht für einen Menschen mit Wohnsitz in Bonn:-))) Nur in Heinos Café war ich tatsächlich noch nie. Muss ich unbedingt mal nachholen, glaube ich! Ein Highlight wäre doch eine Blues Session in Heinos Konditorei. Angeblich ist der bebrillte Volkssänger ja in Sachen Musik vielseitiger als die meisten Zeitgenossen glauben. Meines Wissens hat er doch mal irgendwelche Aufnahmen (oder Konzerte???) mit den Toten Hosen gemacht???!!! Vielleicht findet sich der Blues an Stellen, an denen wir ihn alle gar nicht vermuten.
hofft

Markus
Kurt Schröder Offline




Beiträge: 125
Punkte: 125

22.11.2007 20:07
#22 RE: Ist der Live-Blues am Ende? Zitat · antworten

Na also...ein ganz klein wenig muss ich dann aber doch noch etwas zum Thema drauf setzen, ohne das Harry da wieder lange Ohren bekommt :-)..Scherz..

Wie haben hier in der Eifel..besser Voreifel nun auch einige andere Lokalitäten in denen man Blues hören kann.
Da ist zum einen das Sachmos in Euskirchen /Jazz-Blues,das Malu auch Jazz/Blues und da ist die einmal im Monat statt findende Blues-Session im Paddys Night Out.
Zur Session im PNO ist zu sagen..es war vor eine Woche dort die dritte Session, mit einem wirklich erstklassigen Besuch von Musikern, u.a. Bernhard Groll mit einen Freund aus den Vereinigten Staaten, ich selber hatte das Vergnügen neben den ex.Schlagzeuger von BAB und einen sehr guten Bassisten mit ein zusteigen...es war einfach toll, fast wie ...Verzeihung :-) purer Sex :-)))ist nicht übertrieben.
Eine kleine Anmerkung noch...mir fällt auf das ihr oft fast schon etwas wehmütig auf die alte oder steinalte Garde des Blues zurückblickt, die spielen immer noch einen sehr,sehr guten Blues...aber was ist mit der Zukunft des Blues ?, kann man von neuen Bluesmusikern erwarten das sie den Blues für die kommenden Jahre weiter entwickeln?
In der Bluesnews fand ich mal den Artikel von Dirk Föhrs, bei der Bewerbung für eine neue CD.BLUESNEWS COLLEKTION
da hatten sich etliche Bands beworben, was ihm auf gefallen war, mehr als 70% spielten die Bands Blues-Rock und oft genug nach dem Vorbild von Stevie Ray Voughan.
Meine subjektive Beobachtung dazu...stimmt irgend wie, ich kann es mir auch nicht erklären, viele Gitarrist die ich kenne haben einen Drang zur schnellen Hand, an einem Konzert hier in der Eifel kann ich mich da noch sehr gut erinnern von Rob Tounjoni oder so ??? weiß den Namen nicht mehr,er spielte einen schnellen Riff nach dem anderen,
so schnell,dass dazwischen keine Luft mehr zum atmen war, es kam mir vor als hämmert mir da einer mit einer MP auf dem Kopf, nach einer halben Stunde war das Konzert dann auch für mich zu Ende, andere Zuhörer hat es anscheinend gefallen, aber persönlich kann ich so etwas keine Blues Zukunft geben.
Anna Popovitsch oder so ?..puh! behalte den Namen nicht :-) Die Lady wurde mit viel bomborium als neuer Stern am Blueshimmel angekündigt, nach dem ersten Set ging die Hälfte der Zuhörer nach hause...ich hatte den Eindruck das ich da in einem falschen Film war, mag sein das,dass lange nicht alle so sehen, aber für mich war das kein Blues.
Was bringt denn nun den Blues weiter noch vorne? gibt es überhaupt eine weiter Entwicklung ?..als subjektiver Harpspieler könnte ich jetzt schon einiger Harpgrößen nennen...übrigens einer der leider kürzlich verstorben war Garry Primich..oder der gute Paul Lamp, R.J.Micho z.B. oder hier in Deutschland die Blues Companie ..schreibt mal
eure Meinung dazu...

viele Grüße aus der nicht immer
Heino freien Zone
Kurt

BlueToneGuitar Offline




Beiträge: 1.035
Punkte: 1.035

22.11.2007 21:32
#23 RE: Ist der Live-Blues am Ende? Zitat · antworten

http://100152.homepagemodules.de/t83f9-stirbt-der-Blues.html

Hallo beisammen,

was Ihr hier kommuniziert ist wirklich interessant. Weitere Sichtweisen zu diesem Thread wurden bereits
unter obigen Link erleutert.

Auf das der Blues immer eine feste Größe in der Musik bleibt

Dietmar

Wolfgang Offline



Beiträge: 34
Punkte: 34

22.11.2007 23:57
#24 RE: Ist der Live-Blues am Ende? Zitat · antworten

Na also, „Forum aktiv“ geht doch wieder. Ein bisschen kreatives Chaos, aber das kann man ja auf die Reihe kriegen

@ Eifelblues
- Dass Akustik-Sachen und leicht Elektrifiziertes zu wenig Publikum ziehen und halten können, ist auch mir seit Jahrzehnten bekannt. Ein besonders trauriges Beispiel dafür ist der um 2000 (genaues Datum weiß ich nicht mehr) erfolgte – tolle – Auftritt von Corey Harris und Entourage in der Kölner „Kaschämm“. Corey Harris hatte 2 hoch gelobte CD´s , wurde in der gesamten Fachpresse dies- und jenseits des Großen Teichs als der neuer Star von Black American Roots und Blues gehandelt, sogar als großer Hoffnungsträger des ganzen Genres bezeichnet – und dann kamen trotz dieser Publizität gerade mal 55-60 Leute. Sagt mir, wann ihr Pleite gehen wollt, und wir berechnen dann mal die Zahl solcher Konzerte, die ihr dazu braucht. (Aus anderer Perspektive: Wie viel solcher Auftritte braucht ein ambitionierter Musiker, der über die Phase des reinen sich-selbst-auf-der-Bühne-Produzieren-wollens längst hinaus ist und auch was anderes machen könnte, um „es“ frustriert hinzuschmeißen?)
- Mit Ausnahme von Johnny Shines und James Booker sind übrigens alle von mir ausdrücklich Genannten „Voll-Elektriker“ mit entsprechenden Bands - gewesen.
- Ihr habt ja derzeit gar keine Chance, was anderes als Blues-Rock zu veranstalten. Anderes Finanzierbares gibt’s nicht, – z.B. könnt ihr wohl kaum die Tourbands von Shemekia Cope-land oder W.C. Clarke stemmen –, es gibt viel mehr Alt-Rocker als Alt-Blueser und Blues-Rock liegt beträchtlich näher an den Hörerwartungen jüngerer Leute. Insofern gibt es da gar keine Meinungsverschiedenheiten Ich erlaube mir aber trotzdem die Feststellung, dass bei solchen Darbietungen häufig das unterentwickelt ist, was den Blues ausmacht.

Damit bin ich bei
@ Frank und @ Wolli mit ihren Konzertkritiken.
Ja, genauso ist es meist mit derartigen Konzerten. Irgendwas fehlt. Der Blues, eben.

@ Franz,
das, was Du m.E. treffend beschrieben hast, kann man auch mit Klavieren und kompletten, elektrifizierten Bands hervorrufen, glaub´s mir.

@ Sessions
- Dass Sessionveranstalter, die öffentliche Sessions organisieren, solche Sessions öffentlich als attraktive Sachen erklären, ist weder überraschend noch hätte es größeren Überzeugungswert.
- Nach meiner Auffassung soll das ganze Sessionwesen Lust auf Blues auf und vor der Bühne machen, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die Frage ist, warum viele gute Musiker der Region, die es dazu braucht, und die das könnten, wenn sie (wieder?!) wollten, sich bei „Sessions“ ausgesprochen rar machen.
@ Kurt hat ja gerade eben eine Ausnahme von der Regel schön beschrieben und das völlig zu recht an der Qualität der erschienen Einzelmusiker festgemacht. Die ganz entscheidende Frage ist, wie man dieses sich-selbst-rar machen generell ändern kann.
- Gerade Peter Drießen hat auch nach meiner Beobachtung seit Jahren versucht, die Dinge in die richtige Richtung zu bewegen. Seine Bemühungen erinnern mich aber immer an den berühmten Sisyphos. Es haben auch andere schon ab und zu probiert, die in der Tat eingetretene Stagnation (Deine Theorie ist m.E. richtig, Markus) zu überwinden, aber vereinzelte Aktionen bringen leider nichts.
- Das Auftreten einzelner „Gurkentruppen“, wie einige sie genannt haben, ist, wenn es sich um newcomer handelt, m.E. nicht das entscheidende Problem. Dieses klassische Sessionrisiko kann man nie ganz verhindern, denn anderenfalls wären unbekannte Musiker von vornherein ausgeschlossen. Man trage es mit saurem Lächeln. Ganz anders ist es natürlich bei denen, die sich schon ausreichend disqualifiziert haben.

(Sorry, wieder was lang, aber ich kann berufsbedingt nicht auf jeden Beitrag sofort reagieren. Ich muss das alles sammeln und kann erst dann was Gesammeltes dazu schreiben.)

BigBad Offline



Beiträge: 73
Punkte: 73

23.11.2007 09:02
#25 RE: Ist der Live-Blues am Ende? Zitat · antworten
Hallo Kurt,
Ich muss dich berichtigen. "Kalau" hat nicht Schlagzeug bei BAB gespielt sondern wahlweise Trompete oder
Saxophon. Aber danke für das nette Kompliment, freut mich das wir dir eine Priese "puren Sex" verschaffen konnten.

Das sich junge Gitarristen mehr an S.R.V. orientieren als an die ganz alten Blueser finde ich verständlich.
Es sind die "jungen Wilden", und da muss man auch mal ordentlich Dampf ablassen. Aber man muss es natürlich auch nicht übertreiben, weniger ist bekanntlich oft mehr, doch dass muss man erst mal erkennen und hat sicher auch was mit "Reife" zu tun. Dann legt sich das wilde gefrickel schon von selbst.
Ich muss zugeben, dass ich auch mehr Blues-Rock orientiert bin, auch wenn ich nicht mehr so jung bin.
Akkustische Sachen finde ich zwar auch gut aber ein ganzes Konzert gebe ich mir da eher selten.
Mag sein, dass ich da einiges verpasst habe aber wie Wolfgang schon sagte, solche ergreifenden Momente kann
man auch mit elektrischen Bands haben. Ich habe auch Konzerte erlebt, auch im Jazz, nicht nur im Blues, wo mich
die Musik emozional so mitgerissen hat, das ich den Tränen nah war. Den "Blues" gibt es meiner Meinung nach
nicht nur im Blues - wenn ihr versteht was ich meine?!

Zitat von Wolfgang:
- Das Auftreten einzelner „Gurkentruppen“, wie einige sie genannt haben, ist, wenn es sich um newcomer handelt, m.E. nicht das entscheidende Problem. Dieses klassische Sessionrisiko kann man nie ganz verhindern, denn anderenfalls wären unbekannte Musiker von vornherein ausgeschlossen. Man trage es mit saurem Lächeln. Ganz anders ist es natürlich bei denen, die sich schon ausreichend disqualifiziert haben.
Der (Ab)Satz gefällt mir.

Gruß
Frank

http://www.strange-brew.eu
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realman Offline




Beiträge: 103
Punkte: 103

23.11.2007 12:19
#26 RE: Ist der Live-Blues am Ende? Zitat · antworten
Hallo zusammen,

meine Meinung dazu :

die Welt dreht sich weiter und das bekommt auch der Blues sowie auch andere Genres zu spüren. Jede Generation nimmt und lernt von der vorherigen, verändert das Gelernte und entwickelt sich weiter, ob jetzt positiv oder negativ. Die 68er Generation, zu der ich gehöre, war eine experimentierfreudige, man war für und gleichzeitig gegen alles, der Blues war da, Musikern wie Hendrix, SRV, Gary Moore, Rory Gallagher, usw. genügte das aber scheinbar nicht. Sie entwickelten ihre eigenen Stile, haben z. B. aus vielen Bluesklassikern einen " harten Blues " entwickelt. Ob der jetzt schlechter oder besser ist, sei dahingestellt. Die Zeiten haben sich geändert und werden sich weiter ändern, dies wird auch durch andere Faktoren, die zu der Zeit existent waren oder heute sind, beeinflusst. Wo sind die großen Festivals, zu denen man oft mehrere Tage hundert oder tausende Kilometer getrampt ist, oft nur mit 5 Mark in der Tasche, man wusste man kommt durch. Wer macht das noch?. Ich habe Hendrix, SRV, Gallagher, und viele, viele andere Größen selbst live gesehen, das hat mich sehr geprägt. Manch einer, der sich in der damaligen Qualität von den gleichen Leuten heute so was live anhören würde, bekäme einen Anfall. Laut, teilweise von unter Drogen stehenden Akteuren, merkwürdig interpretiert, Solis stundenlang gespielt ( da ist nach heutigem Empfinden, die Heroes mögen es mir verzeihen, ein Gig einer Amateurband oder prof. Band angenehmer).Selbst war man auch bekifft, damit man für diese Interpretationen empfänglich war. Die LP´s mit der damaligen Aufnahmequalität würden nach heutigen Standards als CD im Laden versauern. Das Freizeitangebot ist heute im Gegensatz zu " damals " explodiert. Heute geht man mit " Sachverstand " ran, was " lohnt " sich, soll ich lieber dort oder woanders hingehen. Man ist mobil, selbst mal schnell nach London oder anderswo, kein Problem. Die meisten möchten viele andere Dinge erleben, andere nur Hilight`s und Ultimatives. Wer will sich denn noch mit der " Seele " befassen. Arbeitsplatzverlust, Zukunftsängste, Kriege, Globalisierung, Erderwärmung usw. sind doch Realitäten, die aktuell sind und die eigene Seele belasten. Da wollen viele Spass und Power. Ich denke, so wird sich auch die Musik wohl oder übel verändern. Wo sind im klassischen Bereich Leute wie Mozart usw.. Man wird immer mehr von den " alten Stilen " leben müssen, weil, so schnelllebig, wie die Zeit läuft, kommt halt nix nach.
Die Äusserungen über Amateure sind teilweise für mich nicht zu verstehen, wo kommen denn die " Guten " her. Die haben sich genau wie alle anderen " kleinen " den Arsch in Clubs aufgerissen und gespielt, um auch Erfahrung zu sammeln und um einen Bekanntheitsgrad zu bekommen. Dabei haben viele " Dreck " gefressen, weils nicht anders gab.
Ich denke, gute Musik entsteht zuerst durch Emotionen und die Bereitschaft, diese Emotionen zu leben und nicht durch Kritiken.
Ich gehe oft lieber in kleine Locations und höre mir unbekannte Bands an, fahre weite Wege und bezahle sogar Eintritt dafür.
Für mich hat jeder Musiker, der auf der Bühne steht, um anderen sein " Gefühl " mitzuteilen, meinen höchsten Respekt, ob es mir gefällt oder nicht.
Was gut oder schlecht ist, darüber sollte man mal nachdenken, wer definiert so was ? Was ist gut oder schlecht ?
Ist schlecht was mir nicht gefällt, nix bringt, keine Kohle einbringt, sind das nicht persönliche Empfindungen ?
Viele, die darüber richten, werden von einer anderen Klientel genauso betrachtet.

Für mich ist Blues vor allen Dingen Leben, wie es war, wie es heute ist und morgen sein wird.

In diesem Sinne

Heinz
Markus Offline




Beiträge: 638
Punkte: 642

23.11.2007 13:38
#27 RE: Ist der Live-Blues am Ende? Zitat · antworten

Hallo an Heinz und den Rest der Mit-Diskutanten,

Weiterentwicklung des Blues und Promotion in unterschiedlichen Zielgruppen - genau das sind die Aufgabenstellungen, um "den Blues" in die Zukunft hinüber zu retten. Also muss dieses Forum darüber diskutieren, welche Möglichkeiten unsere Musik hat, sich zu entwickeln (beispielsweise durch Verschmelzung mit anderen Musikformen). Mein Guitar Hero Rory Gallagher hat ja auch großartigen akustischen Blues geschrammelt - aber eben auch die härtere Form der Blues Musik nach vorne gebracht. Vielleicht ist es eine Aufgabenstellung für die Zukunft, auszuprobieren, mit welchen (jugendlichen-kompatiblen) Musikstilen sich der Blues sinnvoll und konstruktiv verbinden lässt. Wohl gemerkt: Es geht dabei nicht um Hiphop-Gestammel im Zwölf-Takt-Bluesschema, sondern darum, offen zu sein für Einflüsse aus allen möglichen musikalischen Ecken. Wer da Ideen hat, möge sich hier melden (oder für immer schweigen:-)))
Vielleicht lautet das Motto ganz einfach: Blues ist, wenn man´s trotzdem macht.
Ich denke weiter über das Thema nach.
Gott zum Gruße

Markus

Wolfgang Offline



Beiträge: 34
Punkte: 34

25.11.2007 15:36
#28 RE: Ist der Live-Blues am Ende? Zitat · antworten

@ Frank

Ja, verstehe ich

@ Heinz

- Die vorderen 2/3 Deines Beitrages beruhen auf Qualitätskriterien, die Du ausdrücklich nennst und deren Erfüllung/Nichterfüllung Du auf damalige musikalische Leistungen beziehst. Also gibt es diese Kriterien, es gibt sie auch heute und niemand auf und vor der Bühne kommt dran vorbei. Sonst sind beide Räume leer.
- Es hat während der ganzen, leider zu Ende gehenden Lebenszeit des Blues klassische Aufnahmen gegeben, deren Qualität bis heute nicht erreicht ist. Ich denke ganz spontan an Robert Johnson, Little Walter, Jr.Wells/Buddy Guy: Hoodoo Man, Magic Sams Black Magic; Big Walter „Offer You Can´t Refuse – oder etwa Hound Dog Taylor (Letzteres zur Frage Spieltechnik: kaum vorhanden, trotzdem Spitze)
- Ende der 60er war die bluesbasierte Musik für die weiße (nicht nur Bildungsbürger-)Jugend ein Mittel des gesellschaftlichen Auf-/Ausbruchs in Angesicht verstaubter gesellschaftlicher Konventionen vor, während und nach „68“. Für die Bluesleute war sie jedenfalls das nicht, sie haben sich bewusst nicht damit identifiziert, da das wirklich nicht ihre Probleme gewesen sind. Auch mit Selbstverwirklichungs-trips hatten sie rein gar nichts am Hut. Heute kann für unsereins diese Musik nicht mehr die 60/70er Jahre-Funktion haben und sie soll es auch nicht mehr. Sie ist für uns aktuell das, was sie eigentlich ist, nämlich zunächst Musik.
- Die Themen Arbeitsplatzverlust, Geldentwertung, Krieg waren immer auch Bluesthemen, die allerdings die Produktionsfirmen höchst ungern aufgriffen. Ein paar Beispiele? Bitte!

Geldentwertung nach II Weltkrieg Ivory Joe Hunter: High Cost Low Pay Blues
Geldmangel nach Korea-Krieg John Brim: Tough Times
Hop Wilson: Broke and Hungry
danach Jr. Wells: Broke And Hungry
Magic Slim: Ain´t Doin´ Too Bad
Juke Boy Bonner: Funny Money
Larry McCray: Cash Money
Michael Burks: Everybody got Their Hand Out
Glenn Lane: King Boy (Keep the thing)
BB King/Clapton: Riding With the King (1. Strophe)
Koko Taylor: Trying to Make A Living
Kinsey Report: Poor Man´s Relief
Albert King, Angel of Mercy
Tad Robinson: Can´t Print it Fast Enough
Albert Collins Master Charge
Jerry McCain: Bad Credit
Arbeitslosigkeit nach II Weltkrieg Louis Jordan: Chooch-Chooch-Boogie (versteckte,
aber sehr drastische Zeilen)
T-Bone Walker: The Hustle Is On
nach Korea-Krieg John Brim: Tough Times
J.B.Hutto: Things Are So Slow
Eddie Boyd Five Long Years (Wie so häufig hineinproje- ziert in die Frau, die ihn rausschmeißt, aber
durch Strophentexte “Stahlwerk” und „sofortige
Rückforderung 2-3 $“ (Betrag des restlichen
Lohnvorschusses) für die Zielgruppe dieser Zeit
eindeutig anders zugeordnet)
danach Otis Rush; Double Trouble
Eddie Clearwater Find Yourself a Job
Luther Allison Move From the Hood
Otis Redding Sitting On the Dock of the Bay (weil er
sonst nichts zu tun hat)
Buckwheat Dural: Trouble
Krieg Korea: Elmore James: Look On Yonder Wall
J.B. Lenoir: Korea Blues/I´m in Korea (ist ihm karrieremäßig
nicht gut bekommen)
Vietnam: Champion Jack Dupree Vietnam Blues
Johnnie Taylor: I Could Never Be President (hat seine Karriere
auch nicht gerade gefördert)

- Ansonsten: Trotzdem Spaß haben wollen – gerade dann - war immer ein spezielles Blues-Thema. Siehe schon BB: King/Clapton „Days Of Old“; (die Riding with the King-CD dürft ja leicht verfügbar sein). Wie heißt es schon früher zum „Lohntütenball“ bei Louis Jordan: “Let the Good Times Roll” (und „Bon Ton Roulet“ bei Clifton Chenier), bei Johnny Young „Having a Ball“, bei Big Walter „Have an Good Time“, zu tollen Autos gibt’s ja Mengen; etwa „V8Ford /Rocket 88/Mercury/Thunderbird/ Pontiac“ ja,ja Cadillac auch, und Mercedes und, und …..

Vollständig sind diese Aufzählungen keineswegs

@ An Alle

- Blues sind in der Regel mitnichten „traurige Liedchen“, sondern spiegeln regelmäßig die Bewältigung prekärer, schlimmer bis auswegloser Situationen durch den Sänger. Am Schluss kommt der Blueser irgendwie – meist durch eigene sinnvolle Maßnahmen - weg, raus und hat den Dreh gefunden; keineswegs strahlend, vielmehr so grade eben – also wie im wirklichen Leben. An diese Variante zu appellieren ist der Sinn des Ganzen. Bei der reinen Verzweiflung bleibt´s allenfalls bei Drogen- und Gefängnissongs, und selbst bei letzteren wird auf Weihnachten angespielt (weil es dann immer Amnestien gegeben hat). Bei Sachen der 80er/90er haben jüngere schwarze Musiker diese alten Konventionen mit offeneren Darstellungsweisen aufgebrochen, um den Inhalt der heutigen Realität anzupassen und – vor allem – dem immer wieder erhobenen Vorwurf zu begegnen, die typische indirekt-verschlüsselte Sprache des Blues sei eine „Sklavensprache“, deren Weiterführung die Sklavereitradition gewissermaßen freiwillig fortführt. (Das war übrigens damals der ausdrückliche Hauptvorwurf an Johnny Shines in dem „Wortgefecht“ aus den 70ern, wenn ihr mal bitte zurück scrollt! Konter des alten Herrn von der Baumwollplantage: Erstens solltet Ihr darauf stolz sein, weil es euren Großeltern und Eltern beim Überwinden derartiger Zuständen effektiv geholfen hat. Wenn man alles offen angesprochen hätte, hätte es die(weiße) Plattenindustrie nie an die getragen, für die es bestimmt war. Zweitens: Wer seine eigene Geschichte negiert, macht seine eigene Identität kaputt und wird orientierungslos. Drittens: Was soll denn besser sein, wegen „zweitens“ habt ihr bisher nicht viel Überzeugendes zustande gebracht.)
Mehr als 30 Jahre später ist das immer noch bestätigt.

So, das langt jetzt. Ich habe jetzt das nachgeholt, was leider dringend sein musste. In der nächsten Zeit werde ich das Text-Engagement wieder massiv zurückfahren. Eins sollte aber hoffentlich klar geworden sein: Wer bei Rory Gallagher, Gary Moore und Clapton´s Unplugged stehen geblieben ist, weiß leider noch sehr, sehr wenig vom - Blues!

@ Markus

Ohne ein Wissen "what it´s all about" kann man ihn leider auch nicht weiter entwickeln, den Blues!

realman Offline




Beiträge: 103
Punkte: 103

25.11.2007 16:56
#29 RE: Ist der Live-Blues am Ende? Zitat · antworten

Hallo Wolfgang,

vielen Dank für Deine ausführliche Ansicht auf meine Ausführungen. Ich gebe Dir in vielen Punkten recht und sicherlich war das alles zu seiner Zeit o.k.. Natürlich kenne ich auch einen großen Teil der von Dir aufgeführten, hervorragenden Musiker( besitze auch zahlreiche CD`s von selbigen ), meist aber natürlich ohne Dein fundiertes Hintergrundwissen. Trotzdem denke ich, hast Du mich hier und da mißverstanden, möchte aber meine Ausführung als Meinung betrachten, wodurch der Blues in der " damaligen " Form bei einer großen Öffentlichkeit seinerzeit bis zum heutigen Tag in den Hintergrund getreten ist.

Gruß

Heinz

Markus Offline




Beiträge: 638
Punkte: 642

26.11.2007 12:30
#30 RE: Ist der Live-Blues am Ende? Zitat · antworten
Lieber Wolfgang,

fein, dass Du so gut Bescheid weißt in der Blues-Historie. Nicht so fein, dass es ein bisschen so klingt, als ob der, der (Zitat) "bei Rory Gallagher, Gary Moore und Clapton´s Unplugged stehen geblieben ist", leider in Sachen Blues nicht mitreden kann. Ich will mal annehmen, dass Du nicht den Eindruck hinterlassen wolltest, Du könntest diese armen Zeitgenossen ob Ihrer fehlenden Kenntnisse zur langen, langen Entwicklung der Blues Musik nicht Ernst nehmen.

Selbstverständlich lässt sich der Blues nur schlecht weiter entwickeln, wenn man nicht weiß, woher er kommt, was er war, was er ist und wer ihn geformt hat. Andererseits droht aber auch die Gefahr eines historischen Overloads. Du sagst ja selbst, dass der Blues für uns die 60er-70er-Jahre-Funktion nicht mehr hat und auch nicht mehr haben kann. Noch weniger hat er es für unsere musikalischen Nachkommen. Wenn die Kiddies heute ihre Wut, ihren Schmerz und ihre vielfältigen Emotionen zu gesellschaftlichen und privaten Ent- und Verwicklungen raus lassen, dann gehört der Blues dabei sicherlich nicht zum bevorzugten Liedgut. Da ist schon eher die ganze harte Brettmusik angesagt, in der sich die Wurzeln des Blues nur noch sehr, sehr versteckt finden lassen.

Will sagen: Die historische Besinnung in allen Ehren - aber zur Erschließung neuer Zielgruppen für den Blues (oder für das, was aus dem Blues an Vielfalt alles entsteht), ist die allzu wissenschaftliche Betrachtung der Blues Roots meiner Meinung nach wenig geeignet! Diese Auseinandersetzung mit "unserer Musik" bleibt doch einem eher elitären Zirkel von wirklichen Blues-Liebhabern vorbehalten! Es steht außer Frage, lieber Wolfgang, dass Du dazu gehörst - und dafür hast Du meinen tiefen Respekt.

Ein ganz wichtiger Punkt - und dieser Punkt ist, glaube ich, in der bisherigen Diskussion ein wenig zu kurz gekommen -, ist, dass Blues sehr viel mit einer wirklichen emotionalen Beziehung zur Musik zu tun hat. Das macht im übrigen auch den entscheidenden Unterschied zwischen einem Musiker wie Rory Gallagher und Gary Moore aus (um die beiden oben genannten noch mal ins Spiel zu bringen). Die irische Saufnase hat Musik mit dem Herzen und all seinen benebelten Sinnen gespielt, der Kollege Moore hat vor allem schnelle Finger und ansonsten ein eher seelenloses Spiel (sorry an alle Gary-Moore-Fans...). Was der Blues also lehrt - und genau das transportiert er auch in andere Musikstile -, ist die tiefe, tiefe Verbindung zwischen dem Musiker und "seinem" Blues. Deshalb empfinden wir ja auch Musiker wie Hound Dog Taylor als so großartig, obwohl sie wahrlich keine Virtuosen auf ihrem Instrument sind. Jetzt bleibt nur noch die schwierige, weil eher philosophische Frage, ob man als Musiker das "emotionale Spiel" lernen kann oder ob es - je nach Persönlichkeitsstruktur - entweder da ist oder nicht. In jedem Fall gilt: Wenn irgend etwas den Blues in die Zukunft rettet, dann das immer währende Bemühen der "Blues-Treibenden", andere Musiker und natürlich vor allem auch jedes Publikum (ob bei Session, im privaten Kreis oder bei "richtigen" Konzerten) davon zu überzeugen, dass der Blues pure Emotion ist - und pure Emotion das Leben!
In diesem Sinne: Let the good times roll..

Markus
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